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Panchakarma Kur * Ein Reise- und Erfahrungsbericht

Wenn man sich mit Ayurveda beschäftigt, so ist die Frage nach einer Panchakarma Kur nicht weit. Und da das Original gemeinhin immer noch das beste ist, sollte man sich auch tunlichst an die Quelle des Gewünschten begeben. 

Schon seit Längerem hatte ich die Idee, mir einmal in meinem Leben eine Panchakarma Kur zu gönnen. Endlich mal so richtig entspannen, loslassen, sich einfach nur verwöhnen lassen, Körper, Geist und Seele baumeln lassen – soweit der Plan.

Panchakarma Kur – Regeneration für Körper, Geist und Seele

Ayushakti Panchakarma Kur Klinik Mumbai

Nun endlich ist der Traum wahr geworden. Dabei geht es nicht nur um die lange ersehnten, 4 Wochen Urlaub am Stück, sondern diese in Verbindung mit einer Panchakarma Kur, von der ich mir sehr wünsche, dass sie mir hilft die Folgen jahrelanger Überarbeitung und mancher Ernährungssünde zu entkräften, den Körper zu entgiften, die Seele zu erfrischen und mich anschließend mindestens 10 Jahre jünger fühlen zu lassen. 

Von einer Panchakarma Kur erzählt man sich so manches Wunder. Sollte dem wirklich so sein? Ich hatte jedenfalls nicht wirklich etwas dagegen, mich einmal vier Wochen lang so richtig verwöhnen zu lassen. 

Zunächst machte ich mich in der Umgebung schlau. Haben Sie schon einmal etwas von einer Panchakarma Kur gehört? Womöglich nicht. Der Begriff Ayurveda ist den meisten Menschen sehr viel bekannter.

Einiges erfuhr ich über eine polnische Ayurveda Expertin, die mir nicht nur wundervolle Tiefentspannungsmassagen angedeihen ließ, sondern mich auch hier und da in die Geheimnisse des Ayurveda, oder eben auch Panchkarma, oder Panchakarma einweihte.

Mein Interesse war geweckt.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen nicht im Detail erzählen, was eine Panchakarma Kur ist. Das können Sie überall im Internet nachlesen. Es handelt sich hier um einen persönlichen Erfahrungsbericht, der Ihnen hoffentlich ein wenig Spaß bereitet und Sie eventuell auch auf Ihre eigene Panchakarma Kur – so denn geplant – vorbereiten mag.

Die Entscheidung ist bald getroffen. Im Februar, wenn der Frühling auf sich warten lässt, der Himmel immer noch grau ist und einem allmählich die Puste ausgeht, möchte ich irgendwo hin, wo es warm ist, die Vögel zwitschern und wo vor allem ganz viel Sonne scheint. Panchakarma Kur natürlich inbegriffen.

Was liegt da näher, als ins Ursprungsland des Ayurveda zu reisen – Indien! Da es mich bis dato auch noch nie dorthin verschlagen hat, passt das alles ja bestens zusammen.

Vor meinem inneren Auge tauchen Bilder sonniger Meeresstrände auf. Ich sehe mich auf einer Liege liegen, während gleichzeitig vier Hände meinen Rücken sanft bearbeiten und meine Wirbelsäule sich durch heiße Steine tief entspannt. Frau auf Panchakarma Kur Liege

Eingehüllt werde ich von einem wohligen Blumenduft und nach der Massage werde ich mich in den lichtdurchfluteten Innenhof unter eine Palme setzen, während man mir einen – natürlich sehr gesunden – aber wohlschmeckenden Fruchtcocktail kredenzt. Nachdem ich einige Minuten die Augen geschlossen habe, nehme ich mir ein gutes Buch, in das ich mich für die nächsten Stunden entspannt vertiefe. 

Eine Panchakarma Kur ist einfach das Größte! Eine angemessene Belohnung nach Jahrzehnten harter, anstrengender Arbeit.

Als ich jedoch beginne, mich darum zu kümmern, wo ich ein Resort für meine Panchakarma Kur finde, merke ich schnell, dass es gar nicht so einfach ist, einen Einklang zwischen vertretbaren Kosten und entsprechendem Qualitätsanspruch zu finden. Das Internet ist voll mit Angeboten. Jeder überschlägt sich in seinen Werbeaussagen. Ratlosigkeit macht sich breit.

Schließlich gibt mir eine Freundin den entscheidenden Tipp: »Unterhalte dich doch mal mit Lorenz. Der war schon einmal dort und hat sehr gute Erfahrungen gesammelt.« Das klingt doch bestens. Was gibt es Besseres, als eine persönliche Empfehlung?

Also telefoniere ich mit Lorenz. »Wo warst Du?« »Sind die gut?« »Kann man es bezahlen?«. Alle drei Punkte werden positiv beantwortet. »Ja, in die Ayushakti-Klinik in Mumbai kannst du ohne Bedenken hinfahren. Die sind richtig gut. Anschließend wird es Dir besser gehen. Mir haben sie auch geholfen. Und bezahlbar ist das Ganze auch.«

Wozu noch lange herum googeln? Da spricht ein Erfahrener. Flugs ist die erste Mail geschrieben und der Kontakt aufgenommen.

Irgendwo weit hinten in meinem Hinterkopf schwirrt mir noch eine Aussage von Lorenz herum: »Rechne damit, dass Du Vaman machen musst.« »Okay, was ist das? Wird schon nicht so schlimm sein – oder?« »Nun, dabei handelt es sich um medizinisches Erbrechen.« »Was????« »Wie bitte? Ich soll mich absichtlich übergeben?« »Oh Gott, das geht gar nicht!« Gibt es etwas, vor dem man einen größeren Widerwillen haben kann? »Ja, ist wirklich nicht so angenehm. Aber keine Angst. Du wirst begleitet und danach geht es Dir echt besser.«

Sollte ich vielleicht doch lieber mehr Wert auf Wellness und Spa legen?

Egal. Mir ist der therapeutische Aspekt wichtiger und schnell ist das entstehende Horrorszenario wieder vergessen. Außerdem sagte er ja: Es kann sein, aber es muss nicht. Aufgrund meiner Thematik, die ich gerne angehen möchte, weiß ich intuitiv, dass es auf mich zukommen wird. Doch sind wir nicht alle irgendwo Weltmeister im Verdrängen? Mir ist es jedenfalls gut gelungen. 

Wichtig ist, dass die ganze Panchakarma Kur auch Ergebnisse zeigt. Und wenn ich den Rest der Zeit mit einem schönen Cocktail in der Sonne liegen kann, soll mir das genug Ausgleich sein.

Panchakarma Kur Neue Kraft tanken

Vorbereitung ist alles!

Auf der Seite der Ayushakti Klinik steht sehr, sehr viel Text über die tollen Zimmer, die tollen Medikamente, die sie dort anbieten und die tollen Heilerfolge, die dort verzeichnet werden. Leider fehlen die Bilder, die das ganze ein wenig auflockern würden.

Wenn Lorenz, den ich persönlich zwar nicht kenne, der mir aber wiederum empfohlen wurde, sagt, dass es gut ist, dann wird es auch gut sein. Als ich später noch einige Fragen zum Ablauf der Panchakarma Kur habe, telefoniere ich noch einmal mit seiner Frau und auch die zeigt sich vollkommen überzeugt und begeistert.

Schnell ist das Organisatorische abgeklärt. Der Termin – Mitte Februar, bis Mitte März – fest, der Flug gebucht und die Kosten bleiben deutlich im überschaubaren Rahmen. So weit so gut. Allgemein wird empfohlen, nicht später als Februar zur Reisezeit zu wählen, da es danach unerträglich heiß werden kann. Die Temperaturen während meines Aufenthalts betrugen meist 30 – 34°Grad.

Alles ist gebucht, die Anzahlung geleistet und nun hat der Alltag erst einmal Zeit, sich wieder in den Vordergrund zu drängen.

Eine Woche vorher gehe ich noch einmal alles durch. Habe ich auch wirklich alles erledigt? Visum für Indien beantragt? Ich gehe noch einmal alle Emails durch. Oh, da ist ja noch ein Anhang, den habe ich bisher gar nicht beachtet: Dort finden sich viele Seiten Ernährungsratschläge, die man vor der Panchakarma Kur UNBEDINGT einhalten soll. Unter anderem wird darum gebeten, im Flugzeug nur eine Suppe mitzuführen (ich überlege noch heute, wie ich den Sicherheitsleuten erklären soll, dass ich von 100ml Gemüsesuppe nicht überleben kann), oder man sich ein paar Haferflocken mitnehmen und die Stewardessen bitten kann, diese mit warmen Wasser zu übergießen. Okay – das ist noch vorstellbar. Die Flugzeugkost ist sowieso alles andere als nahrhaft und liegt bekannterweise eher schwer im Magen. 

Also: Tupperdose und ein Beutel mit Dinkelflocken eingepackt. Das macht den Koffer zwar noch voller. Aber man braucht ja bei diesen Temperaturen nicht viel. Warum der große Koffer am Ende doch aus allen Nähten platzt, will sich mir einfach nicht erschließen. 

Da man in Mumbai wunderbar Stoffe kaufen kann und ich mir auch noch ein paar kleinere Küchenutensilien besorge, von nun an regelmäßig meinen neuen Zungenschaber, direkt aus Mumbai importiert, benutze, sehe ich mich schließlich gezwungen, ein Paket zu packen und einiges vorab nach Hause zu schicken. Der Spaß ist mit ca. 60.- Euro nicht billig und nur mit Mühe kann ich den deutschen Zoll davon überzeugen, dass das Kamerastativ, und die homöopathischen Medikamente, die sonst ja nie als Arznei angesehen werden – außer man kann Geld dafür kassieren – aus Deutschland stammen. Sonst wären noch einmal gut 30.- Euro an Zoll fällig geworden.

Man braucht dort wirklich nicht mehr als 3 T-Shirts und ein paar Sandalen. 

Beim Check-in im Internet bietet Emirates an, ein persönliches Mahl auszuwählen. Sicherheitshalber entscheide ich mich für das vegetarische, indische Menü. Man kann ja nie wissen. Als ich während des Fluges schließlich sehe, wie sehr die Stewardessen damit beschäftigt sind, die über 300 Passagiere zu versorgen, ziehe ich es vor, keine weiteren Sonderwünsche zu äußern, und genieße das durchaus wohlschmeckende Vegetarian Indian Menü. Ja, ich weiß, um Ausreden war ich noch selten verlegen. Um mein Gewissen nicht allzu sehr zu belasten, lasse ich den süßen Kuchen und die trockenen Brotscheiben weg. Weizen soll auch nicht gut sein.

Dann steht da noch in diesem Anhang, den ich ca. 6 Tage vor meinem Abflug zum ersten Mal öffne, dass man mindestens 4 Wochen vorher auf keinen Fall mehr Fleisch essen soll. Oje, ich probiere gerade die Steinzeitdiät aus. Da ist wohl richtig was schief gelaufen. Als ich das später meiner pulsmitfühlenden Ärztin erzähle, schlägt sie die Hände über dem Kopf zusammen. Tja – dumm gelaufen.

Eilig besorge ich mir das empfohlene Rhizinus Öl und nehme – oh man, das geht ja schon gut los – in den letzten Tagen täglich einige Löffel ein, in der Hoffnung, wenigstens den gröbsten Schaden noch ein wenig abzumildern. An alle Naserümpfenden an dieser Stelle, kurz angemerkt: Rhizinus Öl ist wirklich harmlos. Neutral im Geschmack und sanft in der Wirkung.

Allmählich geht mir ein kleines Lichtlein auf, die Sache scheint mir doch ernster, als bisher angenommen.

Und vielleicht ist das auch der Grund, dass, wie mir meine pulsmitfühlende Doktorin mitteilt, mein Entgiftungsprozess erst sehr langsam in Gang kommt. Man fühlt sich erwischt und hat das Gefühl, nicht wirklich etwas verbergen zu können.

Panchakarma Kur: Das Abenteuer beginnt

Indien! Waren Sie schon einmal in Indien? Ich noch niemals zuvor. Alles, was mir zu Indien einfällt ist: Ghandi! Den werde ich mir dann auch noch einmal – Youtube sei Dank – ansehen. Man will ja wissen, wo man ist.

Ob Ghandi eigentlich auch seine jährliche Panchakarma Kur absolvierte?

Die Ayushakti Panchakarma Kur Klinik liegt nordöstlich von Mumbai – vermeine ich aus den Angaben zu entnehmen. Dank Google Map erkenne ich – im groben Überblick – dass es hier wohl etwas grüner ist, als in der Stadt. Von einem Naturpark ist die Rede. Das klingt toll. Erneut tauchen Bilder eines gepflegten Parks in mir auf, herrliche Landschaft in saftigem Grün und die Stille, nur von fremdländischem Vogelgezwitscher unterbrochen.

Im vorbereitenden Text steht, dass man sich für Stadtausflüge ein Halstuch oder einen Mundschutz mitnehmen soll, da die Luft, die in Delhi kaum noch zu atmen ist, nicht sehr förderlich auf die Lungenbläßchen einwirkt. Na, zum Glück liegt Delhi 1500km weit entfernt. Und zum Glück liegt die Klinik ja offensichtlich in einer natürlichen Oase, denke ich mir und lehne mich entspannt zurück.

Als die Räder der großen Emirates Maschine sanft auf indischem Boden aufsetzen, freue ich mich auf die Sonne und die Wärme, die mich in wenigen Minuten umgeben werden. Ich bin bereit, meine Panchakarma Kur voller Elan anzutreten! Aus dem kleinen Kabinenfenster kann ich viele Slums sehen. Ja, davon habe ich gehört. Hier soll das größte Slumgebiet der Welt sein – oder so ähnlich. 
Später erfahre ich, dass die Slums in Mumbai 60% der Stadt ausmachen.

Die Immigration dauert ewig. Eine gute Stunde braucht es, bis ich endlich den Schalter passiert habe und auf die Suche nach meinem Koffer gehen kann. Das Band unserer Maschine wird inzwischen nicht mehr angezeigt. Nach dieser ersten Erfahrung bin ich überzeugt, dass die Arbeitslosigkeit in Indien sehr niedrig sein muss. Mein Pass wird an mindestens fünf verschiedenen Stationen kontrolliert.

Zum Glück findet sich der Koffer schnell an und am Ausgang steht schon mein persönliches Taxi mit einem Willkommensbrief der Klinikleitung, einer großen Flasche Wasser und … einer Dose mit einer Art gewürztem Puffreis bereit.

Der Service ist ja schon einmal vielversprechend.  

Während der ca. einstündigen Fahrt zur Klinik komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer Indien noch nicht erlebt hat, dem kann man das in Worten kaum wiedergeben. 

Tuck Tuck in Mumbai

Die Slums scheinen tatsächlich den größten Teil der Stadt auszumachen und sie drängen sich bis dicht an die Autobahn heran. Nur ein schmaler Streifen trennt die Bewohner von den Luft verpestenden Tuck Tucks (kleine Dreiradtaxis), die sich mit großen europäischen Nobelmarken, uralten Bussen und LKW`s, einen lautstarken Kampf um das beste Vorankommen liefern. Zwischendurch drängeln sich Motorräder, deren Fahrer meistens einen Helm tragen, während die weibliche Begleitung im Damensitz in wehendem Sari erstaunlich entspannt die Gegend genießt. Nicht selten sind auch noch ein bis zwei Kinder an Bord.

Später lese ich, dass jährlich auf Indiens Straßen über 100.000 Menschen den Tod finden. Und es ist kein Wunder. Verkehrsregeln scheint es nicht zu geben. Rote Ampeln werden vollkommen ignoriert und es scheint nur zu zählen, wer sich am erfolgreichsten, unter lautem Hupen einen Platz in der nächsten Verkehrslücke erkämpft

60% der über 20 Millionen Stadt ist Slumgebiet und meine Vorfreude auf meine Panchakarma Kur erhält ihren ersten Dämpfer.

Indische Frau auf Trottoir

Allerdings beruhigt es mich irgendwie, auf fast jeder der Baracken eine Satelliten Antenne zu sehen. Armut muss hier neu definiert werden.

Während ich noch in freudiger Erwartung auf die in einer grünen Lunge liegenden Ayushakti Panchakarma Kur Klinik spekuliere, werde ich unsanft aus meinen Träumen gerissen, als der Fahrer in eine verdreckte Seitenstraße einbiegt, in der die Schlaglöcher so groß sind, dass man nur mit äußerster Aufmerksamkeit daran vorbei manövrieren kann, und mir dabei bedeutet, dass wir das Ziel unserer Reise erreicht haben.

Wie bitte? Oh nein, das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Ich wollte mich entspannen – unter Palmen, ruhig in der Liege liegen, einen ruhigen Springbrunnen neben mir plätschernd, während mir ein vegetarischer, oder sonst wie hoch gesunder, Cocktail serviert wird. Doch wo sind wir hier gelandet? Ich glaube es nicht. Will er mich entführen? Was mache ich jetzt?

Schließlich bleibt er vor einem unscheinbaren Haus stehen. 

„Ayushakti-Clinic“ lese ich auf einem verfallenen Schild an einer noch verfalleneren Hauswand. Schlagartig wird mir klar, warum man im Internet keine Bilder auf der ganzen Seite findet. Ich weiß nicht, ob ich weinen oder lachen soll. Nein, nicht einmal nach Verzweiflungslachen ist mir grade zumute. Ayushakti Panchakarma Kur Klinik MumbaiResignation macht sich breit. Mein Traum – löst er sich gerade in Luft auf? Vier Wochen. Und ich habe noch Schwimmzeug eingepackt. Auch von einem Strand ist hier weit und breit nichts zu sehen. Neben dem Eingang türmt sich eine Müllkippe, und das einzige Anzeichen von Zivilisation sind die Wachposten vor dem Haus. Vielleicht versteckt sich ja hinter dem brüchigen Gemäuer meine erträumte Oase…?

Die restlichen Träume verfliegen schnell, als ich das mir zugewiesene Zimmer betrete. Ich bin schockiert. Die mir als vornehmes Zimmer in gehobenen Standard angepriesene Stube erweist sich als eine enge Kammer mit einem Bett. In einem Kloster findet man nicht weniger Luxus. Das Gemach ist gerade so groß, dass ich einigermaßen ohne blaue Flecke um das Bett, das natürlich einige Zentimeter zu kurz für mich ist, herum komme. 

Das Waschbecken ist winzig. Das Bad bescheiden – aber zweckmäßig. Ein großer Eimer für das medizinische Erbrechen ist auf jeden Fall vorhanden…

Sind es Tränen, die mir in die Augen schießen, oder versucht mein Körper einfach nur du fehlende Luftfeuchtigkeit zu kompensieren? 

Ein Pluspunkt kann ich, verzweiflungsgeschwängert, dann doch erkennen: Es ist sauber! Und ich bemühe mich um Akzeptanz. Schließlich soll das Ganze ja auch eine Zeit der inneren Einkehr sein. Kein Raum für Schnickschnack aller Art. Wollte ich nicht immer schon eine Zeit im Kloster verbringen? Ein kleiner Trost keiSlums in Mumbaimt auf. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zum Kloster. Letzteres hat einen schönen Park oder Klostergarten, in dem man spazieren kann. Doch wenn ich hier aus dem Fenster sehe, entdecke ich nur Slums, Schutt und Bauruinen. 

Ich überlege mir, sofort wieder abzureisen. Nein! Das kann es einfach nicht sein. Das geht nicht. Tiefer Seelenschmerz macht sich in mir breit. Wie lange habe ich mich auf das hier gefreut. Der Höhepunkt einer langen hoffnungsvollen Reise sollte es werden – und jetzt das. 

 

Erst jetzt dringt die mich umgebende Lautstärke an mein Ohr. Ich persönlich liebe die Stille. Unterwegs habe ich meistens einen Gehörschutz mit, weil ich mich leicht aus meinem Schlummer wecken lasse. Allmählich werde ich mir der mich umgebenden Lautstärke bewusst. Der Lärm der Stadt versetzt mich schon in diesen ersten Minuten in helle Aufregung. Wie ich bald erfahren soll, beginnt das Konzert Bauruine in Mumbaioft schon mitten in der Nacht, mit laut kläffenden Hunden aus der Nachbarschaft, gefolgt von einem mindestens 10 minütigen Scheppern der Tempelglocke morgens um sechs Uhr, welches dann um 7 Uhr noch einmal wiederholt wird. Wahrscheinlich, zu dem Zweck, dass auch der letzte Langschläfer aus dem Bett fällt. Damit man auch immer schön heilig bleibt, geht es dann Abends um 20 Uhr noch einmal zur Sache.

Die Einheimischen müssen ihr Geräuschempfinden vollkommen verloren haben. Auch die Luft gibt mir sehr zu denken. Einige Tage später werde ich nachts auf einem Balkon stehen und die Sterne suchen – ohne sie zu finden. Der Smog lässt ihr Licht nicht durchscheinen. Erst später werde ich erfahren, dass ein Tag in Mumbai vergleichbar mit einer Packung gerauchter Zigaretten ist. Und meine Panchakarma Kur ist mittendrin..

 

Die Panchakarma Kur beginnt

Mir bleibt – zum Glück – nicht allzuviel Zeit, um in noch tiefere Grübeleien zu verfallen. Schon kommt Bhakti die Mutter der Kompanie, und holt mich für eine kurze Führung ab. Als sie mich auf die Terrasse leitet, frage ich mich, ob ihr der abblätternde Putz an den Wänden nicht irgendwie peinlich ist.

Ich muss noch lernen, dass hier in Indien offensichtlich andere Maßstäbe gelten.

Kaum ist die Führung vorbei, sitze ich auch schon bei Dr. Metha, einer ca. 50 jährigen indischen Ärztin. Sie fragt mich nach meinem Befinden, füllt lange Listen aus und nach einigen Minuten gehe ich mit einer langen, langen Liste voller Medikamente, und Ernährungsvorschriften, die mich wohl noch längerfristig begleiten werden, wieder auf den Flur.

Keine Zeit zum rasten.

Schon geht es mit dem nächsten Termin weiter. „Hallo, ich bin doch noch gar nicht angekommen! Was ist hier eigentlich los? Wo soll ich hin? Wann darf ich mich von der langen Reise ausruhen? Ich habe doch Jetlag – oder wie man das nennt. Oder nicht?“ Nein, ich bin so aufgewühlt, dass Müdigkeit nicht wirklich zu spüren ist.

Ehe ich mich versehe, liege ich auch schon auf einer Massageliege. Die Gerüche sind fremd und ungewohnt. Aber das ist doch schon einmal etwas Gutes. Innerhalb weniger Minuten

indian doctors doing traditional panchakarma kur oil massage

bin ich tief entspannt und lasse mich erst einmal so richtig verwöhnen. Es scheint also doch kleine Lichtblicke zu geben.

Im Restaurant im Erdgeschoss sitzen fast immer kleine Grüppchen herum. Tapfer ergreife ich die Initiative und setze mich zu einigen europäisch anmutenden Gesichtern dazu. Meine »Mithäftlinge« kommen aus Mexiko, Arizona und gleich zweimal Hamburg. Schnell werde ich in die Gruppe integriert – und habe Fragen über Fragen, die mir alle ausführlich und auch noch in den nächsten Tagen, mit unermüdlicher Geduld, beantwortet werden.

Es ist auch nicht einfach, sich die vielen indischen Begriffe und die vielen Ernährungsregeln zu merken. Zum Glück braucht man im Notfall mit seinem Laufzettel einfach nur ins Restaurant zu gehen und bekommt dann serviert, was erlaubt ist.

Jeder folgt hier seinem ganz persönlichen Ernährungsplan. Jeder befindet sich in einer unterschiedlichen Phase seiner individuellen Panchakarma Kur und hat somit unterschiedliche Gaumenerlebnisse. Die Hilfe und Offenheit untereinander ist groß und tröstet über manchen Anfangsschmerz hinweg.

So geht es nun einige Tage weiter. Jeden Tag Massage und jeden Tag ein kurzer Besuch bei der Ärztin. Sie prüft hauptsächlich, ob der Entgiftungsprozess so stattfindet, wie erwartet. In den Pausengesprächen höre ich immer wieder die erstaunlichsten Heilungsgeschichten von Menschen, die oft schon seit vielen Jahren hierher kommen.

Da ist zum Beispiel Hilde. Ihre Ärzte hatten ihr nach ihrer Diagnose noch ein halbes Jahr gegeben. Mit letzter Kraft machte sie sich vor 8 Jahren auf den Weg in die Ayushakti Panchakarma Kur Klinik. Der erste Aufenthalt muss in jeglicher Hinsicht die Hölle gewesen sein, wie leicht vorstellbar. Doch von Jahr zu Jahr geht es ihr immer besser. Jetzt ist sie einfach nur noch das blühende und sprühende Leben. Und in diesem Jahr hat die Ärztin ihr mitgeteilt, dass sie zum ersten Mal völlig frei von Aman, den inneren Vergiftungen ist. Hilde strahlt wie ein glückliches kleines Kind und hat sicher auch allen Grund dazu.

Oder Regine, deren MS vollkommen zum Stillstand gekommen ist, seit sie, vor vier Jahren zum erstenmal, hier aufschlug.,

Heilungsgeschichte reiht sich an Heilungsgeschichte. Und immer sind es Erkrankungen, vor denen unsere Schulmedizin schon lange kapituliert hat.

Das motiviert! Vielleicht ist das Ganze doch wesentlich mehr, als es äußerlich erahnen lässt.

Entgiftung ist alles

Entgiftung bedeutet Entleerung des Darms und anderer Körpergewebe. Schon am zweiten Tag habe ich eine wahrhaft erleuchtende Erfahrung. Nach meinem zweiten Basti (Klistier) begebe ich mich unten in das Restaurant. Bisher hatte ich noch gar keine Zeit, mich weiter meinen Grübeleien hinzugeben. 

Nach diesem Basti merke ich, dass etwas mit mir passiert ist. Ich fühle mich ungewohnt leicht und frei. Die Farben strahlen irgendwie heller und, ja wirklich, die mich umgebende Hässlichkeit hat auf einmal völlig ihren – negativen – Reiz verloren. Nicht, dass mir die Häuserruinen zu allen Seiten der Klinik auf einmal gefallen. Aber sie reizen mich auch nicht mehr. Ich habe auf einmal das Gefühl, damit in Frieden sein zu können.

Wie sagt man so schön? Wie innen, so außen. Eine wirklich erstaunliche Erfahrung, die einem so manches über das Leben vermitteln kann. Die erste positive Wirkung meiner Panchakarma Kur!

 

Schnell macht sich der Alltag in der Panchakarma Kur breit, der Tagesablauf  beginnt mit der morgendlichen – und nicht offiziellen – Tempelschepperglocke. Ein anderer Begriff fällt mir dafür leider nicht ein. Es erinnert irgendwie an den Eismann. Sollte man die 10 Minuten morgens um sechs Uhr verschlafen, ja, das passiert mit der Zeit tatsächlich, dann wird man um sieben Uhr noch einmal erneut ans Aufstehen erinnert.

Alle zwei Tage ist Yoga. Auch wenn man Anfangs noch Berührungsängste haben mag, so kann ich das doch sehr empfehlen. Unsere alterslose Lehrerin Vandana führt auch Neulinge sanft in einfache Übungen ein und man merkt, dass die, teils ungewohnten Bewegungen wirklich guttun.

Nicht ganz verstehen kann ich die in einem Prospekt gefundene Aussage über unseren »voll ausgerüsteten« Yogaraum, der eigentlich mehr einer großen, schlecht belüfteten Gerümpelkammer gleicht. 

Nach dem Yogaunterricht fühlt man sich aufrecht, frei, beweglicher und deutlich erfrischt. Nun gehts es erst einmal zum Frühstück. Dazu gibt es je nach persönlicher Vorschrift Porridge, Papaya oder vielleicht auch einen Munkbohnenpfannkuchen mit Spinat oder Apfel. Gemüseeintopf während der Panchakarma KurObst gibt es eher wenig und man sollte auch einmal probieren, das Frühstück mit einer Gemüsesuppe zu beginnen. Das ist für uns eher ungewohnt, aber sehr schmackhaft. Zumal ich während dieser Panchakarma Kur die mit Abstand beste Gemüsesuppe der Welt, kennen lernen darf.

Ab ca. 11 Uhr kann man sich eine Nummer für die Arzt Konsultation besorgen. Vorab gibt es dann noch die Treatments, der wesentliche Bestandteil jeder Panchakarma Kur. 

Diese Behandlungen sind individuell abgestimmt. Dabei handelt es sich um vierhändige Massagen oder Ölgüsse, die je nach persönlicher Befindlichkeit an unterschiedlichen Körperteilen durchgeführt werden und eigentlich immer zu tiefer, wohliger Entspannung führen.

Die Atmosphäre ist freundlich, entspannt und professionell. Man fühlt sich wirklich gut aufgehoben und hat das Gefühl, dass alle engagiert bei der Arbeit sind und wissen, was sie tun. Sprachkenntnisse werden nicht viel gebraucht. Schnell hat man heraus, wann man sich auf die andere Seite drehen darf. Und wenn man sich bemüht, auf Hindi ein »Danke« zu formulieren, so wird das zwar oft erst im dritten Anlauf verstanden, trägt aber auf jeden Fall zur allgemeinen Erheiterung bei.

Andreas bei der Panchakarma Kur

Nach den Treatments freut man sich meist, erst einmal für sich zu sein und das ganze nachwirken zu lassen. Also ist es eine gute Idee, sich zur Liege auf der kleinen Dachterrasse zu begeben und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. 

Musik im Ipod kann helfen, die Umgebungsgeräusche der Stadt deutlich abzumildern.

Meine Träume nach einem ruhigen Innenhof, mit plätscherndem Brunnen und einem gereichten vegetarisch-veganem Panchakarma Kur Cocktail habe ich schnell begraben.

Dann kommt ein kurzer Termin beim Doc, in unserem Fall der Doktorin. Dr. Metha wirkt sehr ruhig, besonnen und in sich ruhend auf mich. Als ich mich in einem emotionalen Tief, womit man während einer Panchakarma Kur immer rechnen sollte, befinde, überrascht sie mich, als sie mir nach der Pulsdiagnose auf den Punkt das Thema nennt, mit dem ich gerade zu tun habe. 

Da sie sonst sehr wenig von sich gibt und aufgrund der Sprachbarierre die Verständigung nicht immer ganz einfach ist, liefert sie hier einen doch recht objektiven Beweis ihrer Kompetenz ab.

Während der Konsultationen einer Panchakarma Kur geht es hauptsächlich um den Zustand des Stoffwechsels und den angesammelten Schlackstoffen (Aman). Ziel ist es, soviel wie möglich dieser Schlackstoffe aus dem Körper zu entfernen, damit dieser wieder seine Selbstheilungskräfte entfalten kann.

Es macht Sinn, dass man den Körper, den man Jahrzehnte lang mit seelischen, und chemischen Giftstoffen verunreinigt hat, nicht innerhalb einer Woche wieder regenerieren kann. Deshalb ist die angeratene Mindestdauer einer Panchakarma Kur 4 Wochen. Und man sollte sie mindestens alle zwei Jahre wiederholen.

Liegt ein definitives Krankheitsbild vor, kann man mit einer jährlichen Kur rechnen. Doch auch wenn das viel klingt, bin ich angesichts der vielen Heilungsberichte, die ich von allen Seiten höre, doch massiv beeindruckt und halte es für das wesentlich kleinere Übel, einmal jährlich die Panchakarma Kur auf sich zu nehmen, als sich ständig mit chemischen Medikamenten vollzustopfen, die am Ende doch keine Heilung bringen, ja sogar den Gesamtzustand immer weiter verschlimmern.

 

Fülle den Löwen in den Tank

Kennen Sie noch den gleichlautenden Werbeslogan einer bekannten Mineralölgesellschaft? Viele Menschen machen sich mehr Gedanken über den richtigen Sprit, den sie ihrem Auto zuführen, als den richtigen Stoffen, die sie sich selbst gönnen.

So ist zum Beispiel auch dem technisch Unbedarftesten bekannt, dass es einem Motor nicht gut bekommt, wenn man Zucker in den Tank füllt. Doch unserem Körper, der ein wesentlich höherwertiges »Triebwerk« darstellt, als jeder Motor, der dazu noch wesentlich länger halten muss, muten wir genau das täglich zu.

Während der Panchakarma Kur wird deshalb sehr auf die Ernährung geachtet. Je nach persönlicher Zielvorstellung gibt es dann noch einmal persönliche Regeln, die es zu befolgen gilt.

Für Gewichtsabnahme gilt zum Beispiel: wenig Reis und sehr wenig Obst. Das Schöne ist: Man darf sich immer satt essen. Diät ist keinesfalls angesagt. Trotzdem werde ich nach diesen vier Wochen 5 kg weniger im Fluggepäck haben.

Du bist, was Du isst

Heute ist Kochkurs. In Anbetracht der doch recht zahlreichen Ernährungsvorschriften erscheint es mir eine gute Idee, an selbigem teilzunehmen. Schon jetzt überlege ich mir, was ich eigentlich bei meiner Ankunft Zuhause überhaupt noch essen kann. Der Kühlschrank ist sowieso leer. Eine gute Gelegenheit also, gleich das Richtige einzukaufen. Doch wenn ich nach langer Reise hungrig am Flughafen ankomme, was dann?

Bewaffnet mit Papier und Stift drängen wir uns zu viert in die niedrige, recht überschaubare Küche der Klinik. Dort stehen schon die in fast allen Gerichten vorhandenen Mungbohnen bereit. Die erklärten Rezepte erscheinen tatsächlich einfach, schnell und übersichtlich. Gewürze haben in der ayurvedischen KüchePanchakarma Kur Mittagessen einen großen Stellenwert. Wenn ich mir auch kaum einen Namen gemerkt habe, so bin ich doch bald in Besitz eines sehr praktischen Gewürzsets, das ich in unseren Breiten so noch nicht gefunden habe. 

Holt mich hier raus – ich bin ein Panchakarma Kur Jünger

Am Abend bittet uns unsere erfahrene Hilde zu einem kleinen Gewürzeinkaufsbummel. 

Kaum zu glauben, zu welch einem Abenteuer eine solch kleine Tour schon werden kann. Obwohl wir schon seit fast zwei Wochen hier sind, fällt es immer wieder schwer, sich auf den dichten Verkehr an der nahe gelegenen Hauptstraße einzulassen. Der gewünschte Gewürzhändler befindet sich nur wenige hundert Meter vom Panchakarma Kur Zentrum entfernt. Während wir uns entlang dichter Tuck Tuck Trauben, durch dicke Luft, auf zerstörten Gehsteigen und durch einen dichten Lärmteppich voran tasten, merke ich, wie meine Augen schon nach wenigen Minuten gereizt reagieren. 

Der freundliche Gewürzhändler freut sich sichtlich über die Menge an Gewürzen, die wir drei ihm abnehmen wollen. Schnell hat er erkannt, dass er hier interessierte Kundschaft hat, die sich gerne einen Vorrat für die Heimat zulegen möchte. So zaubert er immer noch etwas Neues aus der Schublade. Unsere Liste wird länger. Am Ende handelt es sich doch nur um Pfennigbeträge, die wir zu zahlen haben.

Interessant ist eher der Vorgang der Abwicklung: Nachdem unser Ansprechpartner den Preis ausgerechnet hat, gibt er den Zettel an einen gemütlich dasitzenden Herrn weiter, der offensichtlich die Obhut über die Kasse hat. Dieser prüft die Rechnung und gibt uns dann das Wechselgeld. Anschließend gibt er die Quittung weiter zum nächsten Angestellten, der sie noch einmal genau inspiziert. Schließlich sind etwa drei weitere Kollegen damit beschäftigt, unsere etwa 15 verschiedenen Gewürztüten aus den Beständen zusammen zu stellen. Der Vorgang dauert etwa 15 Minuten, die von unserem Chefverkäufer dazu genutzt werden, uns noch zu einem anderen Laden voller verführerischer Süßigkeiten zu führen. Leider sind uns diese nicht erlaubt und die Erfahrung zeigt, dass Dr. Metha es mit ihrer Pulsdiagnose immer wieder heraus findet, wenn wir »fremdgegessen« haben.

Eine wirkliche Unterhaltung am Gewürzstand ist während der ganzen Zeit nicht möglich, da wir mit einem Bein mitten im Verkehr stehen und der hupende Geräuschpegel wiederholt derart anschwillt, dass wir uns die Ohren zuhalten und sogar der Händler ein entschuldigendes Lächeln nicht unterdrücken kann.

Auf dem Weg zurück, zur Panchakarma Kur Klinik, bemerke ich meine vom Verkehrssmog belegten Atemwege. Es ist mir unbegreiflich, wie man in einer solchen Atmosphäre überleben kann. Während wir in Germany mittlerweile von 2 fach auf 3fach Verglasung übergehen, um den Verkehrslärm aus den Wohnungen zu halten, stehen die Leute hier den ganzen Tag wirklich mitten im Geschehen. Und Verglasung kennen die verkommenen Bauten erst gar nicht.

Es ist wirklich bedauerlich, dass diese wirklich gute Panchakarma Kur Klinik, von deren Qualität ich absolut überzeugt bin, in einer solchen Umgebung residiert.

Kultur in Mumbai

Morgen soll es dann soweit sein. Der gefühlte Höhepunkt meiner Panchakarma Kur. Doch dazu später mehr. Nur soweit vielleicht: Dr. Metha sagt mir, dass ich mir am Tag vorher nicht allzu viel zumuten soll. Denn das würde das Vata erhöhen. Und zuviel Vata zerstört das Kapha, das wir in den letzten Tagen, hauptsächlich durch trinken von viel Sweet Lemon Juice (göttlich), bewusst erhöht haben, damit wir es zum Vaman wieder ordentlich entsorgen können. Soweit verstanden?

Wie gesagt, später mehr dazu.

Heute jedenfalls ist Sonntag. Der Tag der Ausflüge. Eine der wenigen, wenn nicht einzigen Möglichkeiten, der grauen Tristesse, verstaubten Luft und dem ewigen Glockengebimmel, für ein paar Stündchen zu entfliehen.

Da wir überwiegend Damen an Bord haben, ist schon klar, in welche Richtung es geht. Ich denke, sie sind täglich in irgendwelchen Stoffläden unterwegs, um immer wieder neue Muster zu entdecken. Downtown, am Churchgate, gibt es »Fab-India« – einen Laden, klimatisiert, wohlsortiert und an europäischen Maßstäben orientiert, der einfach zum Pflichtprogramm gehört. 

Doch vorher gibt es noch andere Herausforderungen zu bewältigen. Meine erste Zugfahrt in Indien. Eigentlich sollte das doch nicht ein so großes Problem … , aber schauen wir doch einfach einmal, wie es sich so entwickelt.

Während die erfahrene Hilde vorneweg stürmt, folgt der Rest unserer Truppe entspannt und sich ihrer erfahrenen Führung anvertrauend. Schön, jemand dabei zu haben, der alles im Griff hat. Mir ist nicht ganz klar, warum sie unbedingt in der zweiten Klasse fahren möchte. Okay, die erste Klasse kostet fast das Zehnfache. Aber für uns handelt es sich dabei wirklich um Pfennigbeträge und außerdem hörte ich, dass indische Züge zur konsequenten Überfüllung zu neigen. Und da wir doch während unserer Panchakarma Kur auf Entschlackungskurs sind…

Ein wenig Komfort kann doch nicht schaden. Außerdem soll ich mich heute nicht allzu sehr anstrengen. Aber wieder einmal siegt die Demokratie und ich habe das Nachsehen: 2. Klasse. 

In Indien ist es üblich, dass Frauen und Männer in getrennten Wagons fahren. Frauen in Männerbegleitung und durchaus auch allein, haben allerdings Zutritt zu den Männerabteilen. Die dahinter stehende Philosophie will sich mir nicht wirklich erschließen.

Auf einmal heißt es für mich: hinten einsteigen. Nicht, dass ich mich nun verzweifelt von der Mutterbrust losgerissen fühle. Doch kann ich ein gewisses Unwohlsein in der Magengegend auch nicht verleugnen. Das Problem ist, dass ich an unserer Bahnstation kein Schild in lateinischer Schrift entdecken kann und der hindischen Schrift (देवनागरी) nach zwei Wochen einfach noch nicht mächtig genug bin. Asche auf mein Haupt. Woher soll ich wissen, wann ich auszusteigen habe?

Als ich höre, dass es sich um die Endstation handelt, bin ich etwas beruhigter. Einfach fahren, bis nichts mehr geht. Das schaffe ich, der »mütterlichen Obhut« Entrissene sicher auch noch. 

Schon beim Einstieg schwöre ich mir, nie wieder zu schimpfen, wenn deutsche Fahrgäste es nicht erwarten können, den Zug zu entern, bevor die Ankommenden die Wagons verlassen haben. Drängeln gehört dazu. Bloß nicht wegdrücken lassen. Sonst stehe ich gleich allein auf dem Bahnsteig. 

Was meine Unsicherheit nicht vermag, wird durch meine Körpergröße großzügig ausgeglichen. Schon habe ich mir einen bequemen Stehplatz in dem übervollen Wagon erobert. Dicht an dicht stehen wir, während der luftdurchflutete Wagen sich in Bewegung setzt. Auffallend, dass bei aller scheinbaren Hektik kein böses Wort fällt, und mir erstaunlicherweise, die ganze Fahrt über, niemand auf die Füße tritt – obwohl es doch mehr als angemessen wäre. 

Trotz der Enge wirkt die Atmosphäre in den enorm breiten Waggons irgendwie locker und entspannt. Die freundliche Dame aus dem Lautsprecher weist in Hindi und Englisch Zugfahren in Indienimmer wieder darauf hin, dass es gefährlich ist, auf dem Trittbrett zu fahren. Doch angesichts der Temperaturen von gut 30 Grad und immer offenen Türen kümmert sich niemand ernsthaft darum. Jeder freut sich, einen Platz an der frischen Luft zu ergattern und sich den Fahrtwind um die Nase wehen lassen zu können.

Wir stehen dicht an dicht und kaum, dass an der nächsten Haltestelle eine Gruppe hektisch nach draußen drängelt, wird der freie Platz sofort mit dem nächsten Schwung wieder aufgefüllt. So kommt man sich nahe. Sehr nahe. Es herrscht entspannte Gelassenheit. Man kennt es nicht anders.

Bei der Enge kommt natürlich auch die Nase zu ihrem Recht. Schwarze riechen anders, als Europäer und Inder haben ebenfalls ihren ganz eigenen Geruch. Er hat eine gewisse Milde, ja vielleicht sogar so etwas, wie eine süßliche Wärme. Ich bemerke, dass dieser Geruch mir nicht unangenehm ist. Während ich noch darüber philosophiere, dass das vielleicht mit dem geringen Fleischverzehr in der indischen Kultur zu tun haben mag, merke ich, wie mich dieses fremde Odeur, gelegentlich von einer dezenten Parfum- oder Räucherstäbchenwolke unterbrochen, sanft einlullt. Ja, mir sogar ein Gefühl von liebevoller Geborgenheit vermittelt. Ich fühle mich entspannt und irgendwie wohlig eingehüllt.

Tatsächlich leert sich der Zug nach einer halben Stunde und ich ergattere schließlich sogar noch einen Sitzplatz. Ein in lateinischer Schrift geschriebener Fahrplan gibt mir die letzte Beruhigung. Nun kann die Endstation kommen.

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben und in Churchgate das flimmernd heiße Pflaster betreten, fällt zumindest auf, dass die Luft hier deutlich klarer ist, als rund um unsere Panchakarma Kur Klinik. Sogar ein Lüftchen regt sich und macht die Wärme doch irgendwie erträglich.

Die Stippvisite im »Fab India« bringt den Damen zwar nicht den gewünschten Erfolg, ist aber durch die vorhandene Klimatisierung eine angenehme Zwischenpause. Schließlich müssen die gnädigen Frauen sogar noch auf den Herren warten, bis er sich für einen Stoff entschieden hat – in Indien ist eben einiges anders.

Anschließend ein kurzer Abstecher zum Gate of India, dem berühmtesten Wahrzeichen Mumbais, das 1924 enthüllt wurde. Der honigfarbene Triumphbogen wurde 1924 zu Ehren des englischen Königs George V. gebaut, und wurde 1948, als die Engländer reumütig den Rückzug aus Indien antraten, erneut KulisseGate of India des Spektakels. Wenn der liebe Gott da mal nicht die Finger im Spiel hatte und sich heimlich ins Fäustchen dabei gelacht.

Der Ausflug ist insgesamt eher kurz. Mehr als 2-3 Stunden lässt die Temperatur nicht zu. Man kann nur dringend empfehlen, nicht später als im Februar nach Mumbai zu reisen. Ich frage mich, wie es hier wohl in zwei, drei Monaten noch auszuhalten ist.

Rückfahrt mit Schrecken

Die Rückfahrt sollte nun ja kein Problem mehr darstellen – denke ich mir. Das Ticket steckt noch, reichlich verknittert, aber lesbar in meiner Tasche – hoffe ich. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass bei diesen Massen jemals ein Kontrolleur kommt. Der hätte gar keine Chance, durchzukommen.

Die Stationen kenne ich ja auch. Diesmal ist es keine Endstation. Also verabschiede ich mich entspannt von den Damen und steige in den meinen Teil des Zuges ein. Kurze Zeit später übermannt mich die Erschöpfung. Die Tatsache, dass auf einmal nur noch eine Hindibeschriftung vorhanden ist, wird durch die elektronische Anzeige ausgeglichen. Zeit der Entspannung. 

Die Augen fallen mir zu, bis ich von einer Berührung an der Schulter geweckt werde. Ein bronzefarbenes Schild baumelt unmittelbar vor meinem Gesichtsfeld. Das sieht irgendwie offiziell aus. Kaum zu glauben, tatsächlich eine Fahrkartenkontrolle. Kennen Sie das Gefühl der Erleichterung: »Kein Problem, ich hab ja eine«!? Aus meinem verknüllten Tascheninhalt heraus ist das noch verknülltere Ticket zunächst schwer zu identifizieren. Erleichtert bügle ich das befreiende Dokument glatt. Ja, ich gebe zu, so eine Kontrolle ist immer noch irgendwie eine Stresssituation.

Ich habe noch nicht vollständig erleichtert durchgeatmet, als ich mich plötzlich auf dem Bahnsteig wieder finde. Was ist los? Was ist passiert? Ich habe doch ein Ticket. Heute erworben! 

Das Problem war lediglich, dass ich versehentlich in die erste Klasse gestiegen war.

Woher soll ich dass denn wissen? Okay, ich hatte mich über das großzügige Platzangebot gefreut. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Klassen nicht im Geringsten voneinander. Mein Protest nützt überhaupt nichts. Ich kann ja nachzahlen – oder umsteigen und überhaupt: »My friends are still in the train, they don`t know…«. Das alles interessiert den Kontrolletti überhaupt nicht. Endlich kann er seine Macht ausspielen, oder seinen Frust an mir ablassen. Was weiß ich auch immer. Ehe ich mich versehe, stehe ich auf dem Bahngleis irgendeiner Station zwischen hier und dort und der Zug rollt an. 

Natürlich haben meine Begleiterinnen, die einige Wagons weiter vorne sitzen, nichts mitbekommen. Mit logischem klarem Verstand stelle ich sofort fest, dass sich die Situation suboptimal zu entwickeln beginnt

Fakt 1) Ich weiß nicht, wann der nächste Zug fährt.
Fakt 2) Die Damen wissen nicht, dass ich nicht mehr im Zug bin, sie
                 werden mich ver
missen (na hoffentlich).
Fakt 3) Das Fahrtziel der Züge wird lediglich mit zwei Buchstaben
                bezeichnet, es gibt 
aber nirgends eine Tabelle, die diese Buchstaben
                 dekodiert. Ich weiß also nicht, 
was A12, BO, oder V1 bedeuten.
Fakt 4) Ich bin echt sauer.
Fakt 5) Im Wegfahren hatte mir den Kontrolleur noch bedeutet, dass der
                 nächste Zug in zwei Minuten fährt. Doch als ich jemanden frage,
                  erzählt der mir, dass dies nicht der richtige Zug ist. Ja was denn?    
                 Wem glaube ich jetzt?
Fakt 6) Meine Tageslektion aus ein Kurs in Wundern »Gott ist immer bei
                 mir, es kann 
nichts passieren« gibt mir tatsächlich die jetzt      
                dringend benötigte Gelassenheit.

Ich entscheide mich für den zweiten Zug. Was werden wohl die anderen tun, wenn sie ankommen und feststellen, dass ich nicht mehr da bin? Wann werde ich nun tatsächlich ankommen? Wo bin ich hier eigentlich? Wie lange braucht der Zug noch?

Als ich mich in das Abteil des folgenden Zuges quetsche, erkenne ich definitiv den Unterschied zwischen der 1. und 2. Klasse. Es ist allein der Platz. Den Rest der Fahrt verbringe ich dann wieder im Stehen.

Dank meines gnadenlos trainierten Gedächtnisses ist es kein Problem die richtige Station zu erwischen. Doch als ich den Zug verlassen habe, stelle ich fest, dass ich nicht wirklich weiß, wo ich bin. Selbstverständlich habe ich die Adresse der Panchakarma Kur Klinik in meinem Handy – kein Problem – bis ich feststelle, dass ich nicht mehr weiß, wo genau ich sie notiert habe. Vielleicht ist das mit dem Gedächtnis doch ein wenig übertrieben gewesen…

Als ich sie schließlich finde und frage, sagt mir jeder, ich müsse eine Station zurück fahren. Das kann aber nicht sein. Ich weiß sicher, dass ich hier richtig bin, wenn ich auch nichts wieder erkenne. Die Stationen sehen alle gleich aus. Ich weiß nur, dass dies definitiv nicht die Treppe ist, die wir heute Morgen erklommen haben. 
Unschlüssig tingle ich einigemale zwischen der West- und Ostseite des Bahnhofs hin und her. Schließlich, die Sonne neigt sich schon dem Horizont zu, werde ich fündig, drücke dem Tuck Tuck Fahrer 20 Rupies (knapp 30 Cent) in die Hand und bin froh, wieder in der Klinik anzukommen, Churchgatewo ich so ziemlich von der gesamten Belegschaft mit offensichtlich großer Erleichterung wieder in Empfang genommen werde.

Panchakarma Kur – der Höhepunkt

Montag, der 17. Tag. Heute ist das große Ereignis, von dem jeder hofft, dass der Kelch an ihm vorüber geht. Im Begleitheft der Klinik heißt es, dass Vaman eigentlich der Beginn einer jeden Panchakarma Kur ist, hier in der Klinik aber selten angewandt wird – vielleicht, weil es sonst doch deutlich weniger Gäste wären…?

Es geht darum, übermäßiges Mucos, Kapha und Aman (Toxine) aus dem oberen Körperbereich zu entfernen. Auf Deutsch bedeutet Vaman: Medizinisches Erbrechen.

Dabei stellen sich wahrscheinlich so ziemlich jedem die Nackenhaare zu Berge. Haben wir nicht alle irgendwo eine Erinnerung an diesen unangenehmen Würgereiz, der uns erst in die Knie und schließlich über die Kloschüssel zwingt!? Der Magen dreht sich um und bringt in Eigenregulation das ihm nicht Willkommene auf umgekehrtem Wege wieder nach draußen. Begleitet wird das Ganze von einem äußerst unangenehmen Geruch und Geschmack. Klar, dass sich bei diesen Gedanken erst einmal alles sträubt, was überhaupt bei lebendigem Leibe sträubbar ist.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der eigentliche Vorgang des »Vomierens« ist ziemlich harmlos, ja sogar erleichternd.

Viel unangenehmer ist es, wenn die attraktive Doktorin morgens auf das Zimmer kommt und man ihr nichts Besseres zu bieten hat, als Schweißausbrüche und…, naja, den Rest erspare ich mir hier lieber. 

Im Angebot sind zwei Schüsseln, jeweils mit 2 ½ Liter Milch und mit irgendwas gesüßtem Wässrigen gefüllt. Diese mögen bitte recht zügig Panchakarma Kur Vaman Materialgetrunken werden. Nicht das es schlecht schmeckt. Milch kennt man und das andere Gebräu ist eher neutral. Aber brauchen wir nicht sonst einen ganzen Tag, um annähernd 5 Liter Liter Flüssigkeit in uns hinein zu bringen? 

Nach einigen Anläufen habe ich verstanden, dass der ganze Vorgang umso leichter wird, je schneller man es schafft, die Flüssigkeit herunter zu schlucken. 

Die größte Schwierigkeit besteht schlichtweg darin, dass spätestens ab dem 3. – 4. Becher der Magen ein deutliches »NEIN«-Signal sendet und in Bewegung gerät. Bleibt man dabei, arbeitet der Magen – aber nicht genug, um den gewünschten Umkehreffekt zu erreichen. Denn schließlich dient die Flüssigkeit ja mehr als Spülung und soll komplett wieder raus. Nachdem man also völlig gesättigt ist und sich ein enormer Widerwille gegen weitere Flüssigkeit aufgebaut hat – wird einem der nächste Becher gereicht.

Nur die Not und das Wissen, dass der nächste Becher die Erleichterung bringen kann, bringen mich dazu, den Kehlkopf weit zu öffnen und so schnell wie möglich weitere Liter in mich einsinken zu lassen. Wenn eine gewisse Überfüllung erreicht ist, geht es tatsächlich ganz leicht. Nicht mit dem üblichen: »Ich-hab-zuviel-getrunken-und-bring-das-Mittagessen-am-besten-gleich-mit-raus« zu vergleichen. Ja, tatsächlich geht es leicht, schnell und schmerzfrei. Danach fühlt man sich besser – bis man den nächsten Becher gereicht bekommt.

Der ganze Vorgang ist anstrengend, schweißtreibend und nimmt mit allem Drum und Dran eine dreiviertel Stunde in Anspruch.

Zum Glück habe ich den Morgen dazu genutzt, mich mental noch einmal auf die ganze Sache vorzubereiten. Es ist vielleicht eine gute Idee, sich ein paar Gedanken dazu zu machen, was man so alles loswerden möchte. Es gibt ja schließlich nicht nur körperliche Toxine. Auch mental laden wir uns so manches Gift auf und tragen es Zeit unseres Lebens mit uns herum.

Von Hilde bekam ich den Tipp, diese geistig seelischen Toxine auf ein Blatt zu schreiben und mittels eines kleinen Rituals gleich mit zu entsorgen. 

Nach dem ganzen Prozess kommen noch ein paar überschaubare Emotionen an die Oberfläche. Danach liege ich einfach ein paar Stündchen lethargisch auf dem Bett und schon ist alles wieder gut. Erstaunlich, wie schnell man doch vergisst.

Greg, der Amerikaner, macht sich diesen Spaß jedes Jahr und ihm scheint es nicht viel auszumachen. Naja, die Yogis machen es, Greg macht es, ich hab es getan, und wie ich hörte, hat der Papst jetzt seine Priester aufgefordert, wieder mehr Spiritualität in ihr Leben zu bringen. Klingt so, als ob alles in Ordnung ist.

Panchakarma Kur – das Schlimmste liegt hinter mir!

Einige Tage sind vergangen. Es scheint irgendwie so, als wenn man einen gewissen Grad an Schmerzfreiheit erreicht, wenn einfach nur lange genug hier ist. Jedenfalls erzählte unsere Yogalehrerin Vandana, dass die Yogis morgens auf nüchternen Magen zwei bis drei Gläser warmes Wasser, mit jeweils einem Teelöffel Ghee aufgelöst trinken und sich anschließend den Finger, für weitere interessante Reaktionen, in den Hals stecken.

Das Verfahren kommt mir doch irgendwo bekannt vor? Gesagt getan. Von unserer eigenen Panchakarma Kur Anwendung habe ich noch etwas medizinisches Ghee übrig. Also trinke ich dann mal morgens auf nüchternen Magen 2-3 Gläser warmes Wasser, mit etwas Ghee versehen und stecke mir anschließend den Finger in den Hals.

Wenn man weiß, dass es nicht wehtun wird, ist es tatsächlich nur noch halb so schlimm. Erstaunlicherweise ist die größte Herausforderung jetzt, überhaupt erst den Würgereiz zu erzeugen. Als wolle der Magen sagen: »Hey, den Trick kenne ich mittlerweile. So leicht lasse ich mich nicht mehr überrumpeln.« Es geht jedenfalls schnell und problemlos, soll überflüssiges Kapha und Mucos entfernen, verjüngen und was man halt so alles kennt. Das ist sozusagen die kostengünstige und sicherlich auch wesentlich effektivere Form von anti Aging.

Ob ich das auf Dauer beibehalte, ist aber sicher eine andere Frage. (Einschub: Zwei Tage später gebe ich weitere Versuche auf. Mein Magen möchte nicht mehr und als Akt der Selbstliebe entscheide ich mich, mich wieder normal zu verhalten.)

Panchakarma Kur – Krishna war auch hier

Mal wieder ist Sonntag. Die Tage vergehen erstaunlich schnell und auch wenn mich die Umwelt hier alles andere als begeistert, so muss ich doch tatsächlich zugeben, dass ich noch keinen einzigen Tag Heimweh hatte. Wenn ich es mir so recht überlege, liegt das aber wahrscheinlich eher an den üblen Wettermeldungen, die mir ständig aus dem kalten Deutschland übermittelt werden. 

Obwohl die ursprüngliche Planung einen Strandspaziergang vorsieht, kann ich Bhakti, die Mutter der Kompanie, davon überzeugen, dass ein Besuch im Tempel sicher viel reizvoller wäre. Später wird sich noch zeigen, dass das eine sehr weise Entscheidung war.

Nachdem Maxhut unser lustiger Fahrer mich zum wiederholten male um ein paar T-Shirts für seinen Sohn gebeten hat, geht es endlich los. Mit fünf Personen sind wir eine überschaubare Gruppe. Während der knappen Stunde Autofahrt merke ich, dass mein Magen doch nicht ganz auf der Höhe ist. Liegt es an der morgendlichen Behandlung, die noch deutlich Nachwirkungen hat? Oder ist es das ständige Ausweichen und Hopsen über irgendwelche Speedbumber, das uns in ständigen unangenehmen Kontakt mit der Wagendecke bringt?

Schließlich bemerke ich, dass es Amrit aus London, der neben mir sitzt, ganz genau so ergeht. Nur mit Mühe können wir die aufkeimende Übelkeit unterdrücken und ich frage mich, wie es das mexikanische Pärchen am letzten Wochenende über zwei Stunden auf diesen Sitzen ausgehalten hat.

Schließlich kommen wir zum größten Hare Krishna Tempel in Mumbai. Es fällt schwer, das Flair zu beschreiben, von dem wir hier eingefangen werden. Menschen, wohin man schaut. Es ist eigentlich wie auf einem sonntäglichen Ausflug, währenddessen man sich mit der Familie Heilige Figur Krishna Tempelirgendwo zum Picknick trifft. Es gibt viele Futterstände und überall ist etwas los. Als wir unsere Schuhe abgegeben haben, erklingt auch schon eine laute Stimme aus dem Lautsprecher. Im Tempel tanzt im wahrsten Sinne der Krishna-Bär. Es ist laut und die Menge drängt sich dicht an dicht, um die heiligen Statuen zu sehen.

Schließlich werden unter lautem Getöse drei Tore aufgestoßen und es funkelt und glitzert. In einer Art Viehtrieb werden nun die Menschen an den drei »Altären« regelrecht vorbei getrieben. Einige werfen sich demütig zu Boden. Die Aufpasser haben ein Auge darauf, dass der Strom von Menschen nicht vor lauter Verzückung vor den bunt glitzernden Figuren ins Stocken gerät. Im Hintergrund sitzt, lebensgroß und aus Stein gehauen, der Begründer des Krishna Ordens unter seinem Baldachin und hält seine ewige Wacht.

Es dauert es nicht lange, bis ich von einem der Priester angesprochen werde. Ein ehemaliger Mauritianer, der einen sehr ausgeglichenen Eindruck auf mich macht. Er erzählt mir vom Tempelalltag, der morgens und 4 Uhr mit einer Meditation beginnt. Lang und breit werde ich darüber belehrt, dass man die Bhagavad Gita nur im Original lesen darf und dass es keinen Sinn macht, mir eine amerikanische Ausgabe zu Gemüte zu führen, die mir ehrlich gesagt, gerade völlig ausreicht, weil mich einfach nur die Paralleln zu »Ein Kurs in Wundern« interessieren. 

Ehe ich mich versehe, habe ich eine Hand voller Bücher in der Hand, von denen ich nicht wirklich weiß, ob sie mich interessieren. Als ich frage, ob er mir die alle schenken möchte, weist er mich auf das Preisschild hin und als ich verneine, bin ich flugs die Bücher und den Priester wieder los. 

Unser Fahrer drängt auf Aufbruch. Ihn interessiert das alles nicht besonders und ich fühle mich aus der Atmosphäre heraus gerissen. 

 Die Copacabana von Mumbai

Wir wollen noch zu Strand. »Wunderbar« denke ich mir. Endlich ein wenig raus aus dem Stadtmief. Frische Luft atmen, das Wasser sehen. Ich freue mich.

Als wir am Strand aussteigen, einigen wir uns auf eine halbe Stunde Zeit. Es stellt sich heraus, dass diese 30 Minuten noch viel zu hoch gegriffen sind. Nach wenigen Augenblicken haben wir die Nase im wahrsten Sinne des Wortes voll. Ein unglaublicher Abwassergeruch schlägt uns entgegen. Das Meerwasser ist dunkelbraun gefärbt und riecht nach Kloake. Ich frage mich, was die vielen Menschen hier am Strand machen. Das ganze Ufer ist mit Spaziergängern bevölkert. Ins Wasser trauen sich nur einige Halbwüchsige, die sich noch beweisen wollen.

Ansonsten ist es einfach furchtbar. Nach einer Viertelstunde ergreifen wir die Flucht. Hier gibt es definitiv keine Entspannung. Ich wundere mich schon lange nicht mehr, warum ich nach dem zweistündigen Ausflug erschöpft bin und mich schlecht fühle. An die gereizten Augen habe ich mich mittlerweile ja schon gewöhnt. Den Anderen ergeht es ähnlich.

 

Panchakarma Kur – Ausklang

Schließlich nähere ich mich mit schnellem Tempo dem Ende meines vierwöchigen Aufenthalts. In Deutschland, so höre ich, ist es noch kalt. Und der Himmel ist oft grau. Aber ich erinnere mich, dass die Luft in Deutschland gegen das hier schon fast steril sauber wirkt und ich freue mich.

Da der Höhepunkt der Kur vorüber ist, gönnen wir uns jetzt auch einmal etwas außerhalb des normalen Panchkarma Kur Plans zum Essen. So gibt es zum Beispiel eine raffinierte Pizza auf Mungbohnenteig, gekrönt mit Granatapfelsamen und einer schwer zu entschlüsselnden, aber äußerst wohlschmeckenden Masala Mischung.

Die Waage zeigt gute 5kg weniger, worüber aber sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Auf jeden Fall habe ich sehr deutlich gemerkt, auf welche Dinge mein Körper nicht gut reagiert. Ich weiß jetzt, dass ich auf mein Pitta und Vata achten muss und nehme mir viel vor, für die Rückkehr nach Deutschland.

Doch noch ist es mit den Herausforderungen nicht ganz vorbei. Jeden Tag gibt es weiterhin einen Basti. Das ist weniger schlimm, als man vermutet, aber man merkt deutlich, wie es in einem arbeitet. Auch weiterhin werden Giftstoffe frei gesetzt und ausgespült. Und das schlägt sich durchaus auch einmal auf das Gemüt.

Das Publikum wechselt. Alte »Kollegen« gehen, neue kommen hinzu. Langsam aber allmählich wird es nun wärmer. Ab März steigen die Temperaturen deutlich über 30° Grad, was auch vermehrt Mücken anlockt. Die sind übrigens fast kein Problem. Lediglich zum Abendbrot tut ein wenig Mückenschutz auf die nackten Füße gut. Damit hat es sich aber auch schon. 

Panchakarma Kur: Ein Fazit

Auf keinen Fall möchte ich die Zeit hier missen. Ayurvedisch habe ich mich hervorragend aufgehoben und betreut gefühlt. Vandana, unsere Yogalehrerin, hat mich eindeutig dazu motiviert, meine Yogaübungen wieder aufzunehmen. Ich weiß jetzt wieder, wie schön es sich anfühlen kann, ein paar Kilo weniger auf den Rippen zu haben. 

Die erlebten Heilungsberichte sprechen ihre eigene Sprache. Das Personal ist sehr nett, hilfsbereit und zuvorkommend. Das Haus ist sauber und man bekommt alles, was man braucht. 

Ayurveda wird, einfach aufgrund seiner umfassenden Betrachtungsweise auch zukünftig ein Thema in meinem Leben bleiben und ich kann nur jedem empfehlen, sich gelegentlich einer solchen Panchakarma Kur zu unterziehen. 

Hier in Indien ist das Ganze bezahlbar. Und bekannterweise lohnt es sich immer, die Heilung in Angriff zu nehmen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Je später man mit der Reinigung beginnt, desto schwieriger wird es. Das ist nun mal Gesetz und gilt für QuantumTao genauso, wie für jedes Verfahren dieser Welt. 

Laotse sagte einmal sinngemäß: Jedes Problem lässt sich lösen – man muss einfach nur früh genug anfangen. Unsere Schulmedizin hat nicht den Hauch einer Ahnung, was im Heilungsbereich alles möglich ist.

Ich habe viele neue Impulse erhalten – nicht zuletzt von meinen »Mitkämpfern«, für die ich sehr dankbar bin. 

Die Ayushakti Panchakarma Kur Klinik ist uneingeschränkt empfehlenswert – aber nicht in Mumbai. Hier ziehe ich für mich eine klare Grenze. Wenn der Körper, entgiftet werden soll, passt es für mein Empfinden nicht dazu, täglich von Smog und Lärm umgeben zu sein. 

Das ist der einzige Wermutstropfen, der mir auch den Abschied recht leicht macht. Ich freue mich auf meinen »ruhigen« Stadtpark und habe mir geschworen, mich nie wieder über das entfernte Rauschen des Stadtverkehrs zu beklagen, die holprigen Radwege, oder gar den wunderschönen Schokoladenduft, der regelmäßig durch den Lübecker Stadtpark weht – naja, der hat mich noch nie wirklich gestört.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: In Goa gibt es eine ganz neue Ayushakti-Klinik. Und Goa ist direkt an einem sauberen Strand gelegen. Dort gibt es keinen Verkehr, keinen Smog und unglaublich viel Ruhe.

Und wenn Sie es wirklich ernst meinen, mit Ihrer Panchakarma Kur, nehmen Sie einen großen und einen kleinen Koffer mit. Der große bleibt leer und der kleine ist für die Klamotten. Warum – fahren Sie hin, dann werden Sie`s erfahren.

 Heilige Kuh

15 Kommentare

  1. Gabriele Tadesse sagt

    Hallo Herr Frenzel, wirklich ein sehr spannender Bericht den ich nur so verschlungen habe. Mitten aus dem Leben einer Stadt und einem Land, welches ich noch nicht kennen gelernt habe. Nächste Woche Montag werde ich auch eine 3 wöchige Panchakarma Kur machen. Allerdings in Deutschland, Bad Rappenau. Mal sehen wie es wird und was es auslöst. Auf jeden Fall ist es gut die Dinge auszuprobieren.
    Vielen Dank für die Arbeit und Mühe die Sie sich gemacht haben, um dieses Artikel zu schreiben. Es war eine Freude ihn zu lesen.

  2. Hallo Herr Frenzel

    supertoller Bericht. Mir kullerten die Tränen vor Lachen schon ganz am Anfang Ihres Berichtes. Man ahnte schon anhand Ihres köstlichen Schreibstils, worauf es hinauslief, obwohl es natürlich sehr traurig war, dass sich die schönen Träume nicht erfüllten.
    Danke auch noch für die sehr gute Betreuung als Käuferin des Wasserfilters. Ich glaube, das war eine der besten Investitionen in meine Gesundheit seit langem.

    Liebe Grüße
    Birgit Otto

  3. Sissy T. sagt

    Hallo Andreas,

    vielen Dank für den tollen Bericht!

    Kommt man dort ohne Englischkenntnisse auch klar?

    Gruss

    Sissy

    • Andreas Frenzel sagt

      Hallo Sissy,
      ich würde sagen – schwierig. Die Ärzte sprechen nur Englisch. Häufig sind auch Deutsche da, die man um Hilfe bitten kann. Am besten wäre es, einen englischsprachigen Begleiter(in) dabei zu haben.
      LG
      Andreas Frenzel

  4. Hallo Andreas Frenzel,

    ja das mit diesen „Schähseiten“ ist so eine Sache, besonders dann wenn diese noch die Frechheit besitzen Fakten zu veröffentlichen, ohne einen Funken Ahnung von dieser Materie zu haben. Solche Schähseiten sollten ja schon im Interesse der vielen Affiliate die in solche Programme investieren, verboten werden. Stört ja immerhin das Geschäft.

    In diesem Sinne
    Arthur van Burren
    (Nederlands NRI a.D.)

  5. Manuela Berner sagt

    Hallo Andreas,

    ein echt toller Reise- und Erfahrungsbericht. Schön, dass du ihn geschrieben hast! Es hat Spaß gemacht deinen Bericht zu lesen!

    Vielen Dank!

    Manuela

  6. weber steffen sagt

    Hallo Andreas,

    ein sehr angenehm zu lesender Reisebericht.

    Danke.

    LG
    Steffen

  7. Gisela von Richter sagt

    Lieber Andreas,
    vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht. Schon lange möchte ich eine solche Kur machen, doch bislang konnte ich es mir wegen der Kosten nicht leisten. Ich lebe in Südamerika und schon die Anreise ist ein teurer Spass. Dennoch hast Du mich wieder motiviert. Ich wünsche Dir alles Gute.
    Liebe Grüsse aus Paraguay
    Gisela

    • Andreas Frenzel sagt

      Hallo Gisela,
      der Vorteil einer Panchakarma Kur in Indien ist der deutlich geringere Kostenfaktor. Wenn man anfängt, sich ein Nebeneinkommen aufzubauen (http://www.getmyads24.com/?r=110623), dann werden auf einmal Dinge möglich, die vorher als unvorstellbar galten. Toi, toi, toi!

        • Andreas Frenzel sagt

          Hallo Gisela,

          Sicherheit gibt es im Leben nie. Ich persönlich bin dort eingeschrieben und kann nur sagen, dass es bis jetzt gut läuft. Mich persönlich hat das Informationsvideo überzeugt, da ich mich im Bereich Werbung ein wenig auskenne und das ganze für mich Hand und Fuss zu haben scheint.
          Zu der angegebenen Seite: Für mich ist das eine Schmähseite, die es zu allen Konzepten dieser Art gibt. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass nie eigene Erfahrungen gesammelt wurden und es sich um eine Ansammlung von Vermutungen handelt.
          Ein Risiko gibt es überall, gar keine Frage. Aber wer meint, unseren Banken mehr trauen zu können, nur weil sie ein Impressum haben, hat noch nicht begriffen, was in unserem System wirklich passiert. Selbiges gilt auch für Lebensversicherungen, Bausparerverträge und so weiter.

          LG
          Andreas

  8. Helga Vanselow sagt

    Sehr interessant, der Erfahrungsbericht. Danke.
    Luxus, den ich nie erreicht habe, (komfortable Wohnung, Mahlzeiten in Luxusgaststätten, Luxusauto) verliert immer mehr an Interesse für mich.
    Ich bin dankbar, für meine Gesundheit, für meinen kleinen Wohnraum, für die bescheidenen Mahlzeiten, die ich täglich zur Verfügung habe und viele weitere Kleinigkeiten.
    Herzliche Grüße
    Helga

  9. Martina Christmann sagt

    Hallo Herr Frenzel,

    Danke, für Ihren lebhaft geschilderten Reisebericht,mir war soeben als wenn ich ein bischen mit dabei war.
    Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert,und an manchen Stellen musste ich herzhaft lachen, obwohl der Hintergrund ernsthafter Natur ist.
    Sehr interessant…

    herzliche Grüße
    Martina Christmann

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