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Ein Kurs in Wundern Lektion 24

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„Ich nehme nicht wahr, was zu meinen besten ist.“

»Ein Kurs in Wundern« weist uns in dieser Lektion darauf hin, dass wir in keiner Situation wirklich wissen, was uns glücklich machen würde.

Wie sind voller Wünsche. Wir wissen genau, wir möchten diese Frau, jenen Mann als Partner haben, dann würden wir glücklich sein. Es würde uns mit Sicherheit besser gehen, wenn wir endlich unser Traumauto fahren könnten. Und wahrscheinlich wären wir glücklich, wenn unsere Partner unserem Urlaubswunsch zustimmen würden und nicht immer ihre eigenen Ziele verfolgten.

Wir wären viel glücklicher, wenn unsere Schwiegereltern sich anders verhalten würden, der Chef ein wenig netter wäre, und die schwatzhafte Kollegin nicht ständig über andere Leute herziehen würde. Natürlich würde es auch zu unserem Glück beitragen, wenn sich unsere Gesundheit in einem besseren Zustand befinden würde.

Wir sind uns sicher, genau zu wissen, was uns eigentlich gut tut. Doch »Ein Kurs in Wundern« behauptet das komplette Gegenteil. Er sagt klar und unmissverständlich: „In keiner Situation, die sich ergibt, bist du dir des Ergebnisses bewusst, das dich glücklich machen würde.“

Da stellt sich doch die Frage, wie wir es überhaupt schaffen können, ein einigermaßen sinnvolles, geschweige denn glückliches Leben zu führen. Wie soll uns das gelingen, wenn wir ja – angeblich – nicht einmal die leiseste Ahnung davon haben, was uns wirklich gut tut!?

Und genau das bekräftigt »Ein Kurs in Wundern« uns gleich in der nächsten Zeile: „deshalb hast du keine Richtschnur für angemessenes Handeln …“

Jetzt wird es wirklich langsam suspekt. »Ein Kurs in Wundern« sagt uns hier klar und eindeutig, dass wir keine Ahnung haben, was wir eigentlich tun. Wie kann das sein?

Das Ganze hängt mit unserer eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit zusammen. Wir reagieren nie auf das, was da draußen wirklich geschieht, sondern immer nur auf unsere Wahrnehmung dessen. Soll heißen: auf unsere persönliche Interpretation. Und die ist – laut »Ein Kurs in Wundern« – IMMER falsch.

In meinen telefonischen Beratungen erlebe ich sehr häufig, dass mir Klienten eine Situation schildern, die sie als schier unerträglich empfinden. Aus meiner neutralen Betrachtungsweise heraus, sehe ich die gleiche Situation oft mit ganz anderen Augen.

Praxisbeispiel:

Thomas wurde von seiner Frau verlassen. Er hat große Angst, den Kontakt zu seinen Kindern zu verlieren. Einige Zeit nach der Trennung hat seine Frau (Elke) wieder einen neuen Freund gefunden. Für Thomas sieht es so aus, dass seine Kinder den neuen Freund sehr mögen. Verständlich, dass das seine Ängste immer noch weiter schürt. Eines Tages holt er die Kinder ab. Voller Begeisterung erzählen sie ihm, dass der neue Freund von Elke ein tolles Segelboot hat. Und sie waren damit auch schon unterwegs. Thomas Herz rutscht immer tiefer. Seine Angst, seine Kinder an den neuen Freund zu verlieren, steigt ins Unermessliche. Der Neue kann ihnen offensichtlich etwas bieten, was er sich nicht leisten kann. In seiner Wahrnehmung verliert er die Kinder, weil sie sich bei seiner Ex und ihrem neuen Freund – mit dem tollen Segelboot – viel wohler fühlen.

Ein paar Wochen später findet eine Sportmeisterschaft statt, auf der die Kinder angemeldet sind. Elke teilt ihm mit, dass sie, in Begleitung ihres neuen Freundes, dort anwesend sein wird. Thomas ist außer sich. Wie kann sie ihm das antun? Er würde auch so gerne zu dieser Veranstaltung erscheinen. Doch dann müsste er dabei zusehen, wie seine Exfrau mit dem anderen Mann unterwegs ist. Und was, wenn die Kinder ihn auch noch ganz toll finden und ihnen dabei gar nicht mehr beachten? Thomas ist wütend und verzweifelt. In seiner Wahrnehmung findet gerade ein großes Tauziehen um die Kinder statt. Erst hat er seine Frau verloren und nun auch noch die Kinder. Für ihn ist klar, dass er aus dieser Situation nur als Opfer und Verlierer hervorgehen kann. Er möchte nicht zu dieser Veranstaltung kommen.

*

Als er mich in seiner Verzweiflung anruft, kann ich ihm deutlich machen, dass seine aktuelle Wahrnehmung nur auf seiner Angst beruht. Und diese ist – in meinen Augen – auch noch ziemlich unberechtigt.

Ich zeige ihm auf, dass genau diese Situation, die ihn jetzt so sehr ängstigt, eine hervorragende Möglichkeit für ihn ist, Stärke und Präsenz zu zeigen. Wenn er jetzt nicht zu diesem Treffen geht, wird er seine Kinder enttäuschen. Und zwar viel mehr, als durch das nicht vorhandene Segelboot!

Doch wenn er dort auftaucht, wird ihm das mit Sicherheit Respekt und Anerkennung verschaffen. Die Wahrheit ist doch, dass alle Beteiligten sich in dieser Situation nicht besonders wohl fühlen. Ich empfehle Thomas, die Initiative zu ergreifen, auf den neuen Freund von Elke zuzugehen und diesen freundlich zu begrüßen.

Ja, ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Ein Koran Prediger sagte einmal: „Dein Glaube ist erst dann vollständig, wenn du einem anderen wünschst, was du für dich selbst erhoffst.“ Also empfehle ich Thomas, seine Exfrau und ihren neuen Freund innerlich zu segnen und ihnen das Beste zu wünschen.
Nach anfänglichen Widerständen stimmt Thomas zu.

Kaum ist das Treffen vorbei, meldet Thomas sich begeistert bei mir.

„Es war zwar anstrengend, aber nicht annähernd so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich habe gemerkt, dass auch die anderen beiden sehr unsicher sind. Und ich hatte das Gefühl, dass mein positives Zugehen auf sie eine große Erleichterung zur Folge hatte. Auch meine Kinder waren total entspannt. Und ich hatte nicht mehr die Angst, dass ich sie verlieren würde. Sie haben sich sehr gefreut, mich zu sehen. Dadurch, dass ich den beiden innerlich meinen Segen gegeben habe, fühle ich mich sehr gut. Da ist so ein neues Gefühl von Frieden in mir, dass ich bisher nicht kannte. Ich habe den Eindruck, mich gerade in einer enormen innerlichen Wachstumsphase zu befinden.“

*

Wir kennen alle den Effekt, dass eine akute Situation uns in Verzweiflung und Angst stürzt. Doch in der Nachschau stellen wir dann oft fest, dass es zum Besten für alle Beteiligten war.

»Ein Kurs in Wundern« ist in diesem Punkt absolut kompromisslos. Er sagt uns: „es ist demnach unvermeidlich, dass du nicht deinem eigenen Besten dienst.“

Wenn wir uns auf unsere eigene Wahrnehmung verlassen, werden wir niemals unserem eigenen Besten dienen.

Selbstverständlich kommt dabei die Frage auf, wie wir in einer x-beliebigen Situation zum Besten für uns handeln können!? Doch an dieser Stelle ist noch nicht die Zeit für eine direkte Antwort auf diese Frage. »Ein Kurs in Wundern« geht hier sehr langsam und behutsam vor.

Noch gilt es, sich ein wenig in Geduld zu üben. Wichtiger ist es, diesen Punkt wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen. Es macht also keinen Sinn, nach vorne zu blättern und nach der Lösung für das richtige Handeln zu suchen. Es ist wirklich, wirklich wichtig, sich diese Tatsache immer wieder bewusst zu machen.

Unsere Wahrnehmung entsteht aus unserem Ego und ist immer falsch.

Wenn du nur diese Lektion verinnerlicht hast, wird es dir in zukünftigen Konfliktsituationen leicht fallen, innezuhalten. Nicht zu handeln, nicht zu reagieren. Und daraus ergibt sich bereits die Lösung – in den meisten Fällen ganz von allein.

Die heutige Übung dient dazu, dass wir uns klarmachen, was eigentlich wirklich in uns vorgeht. Und das ist schon wesentlich mehr, als nur die halbe Miete.

»Ein Kurs in Wundern« betont hier noch einmal, dass es wirklich wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein.

 

Übung:

Wenn möglich, richte dir für den heutigen Tag fünf Übungszeiten ein. Es geht dabei nicht darum, so viele Themen wie möglich zu bearbeiten. Nimm lieber einige wenige und sei bei diesen besonders gründlich. Ich empfehle, diese Übung schriftlich zu machen. Pro Übungszeit reichen schon 1-2 Minuten aus.

Beginn zunächst mit einer Wiederholung des heutigen Leitgedankens:

„Ich nehme nicht wahr, was zu meinen Besten ist.“

Schließe deine Augen und suche nach einer Situation, die dich im Augenblick beschäftigt und noch ungelöst ist. Dann stelle dir die Frage, welches Ergebnis du dir für diese Situation wünschst. Wenn du wirklich ehrlich bist, wird dir schnell auffallen, dass nicht nur ein Wunsch in dir ist. In Wahrheit verfolgst du mehrere Ziele, die sich noch dazu häufig widersprechen.

Ein Beispiel:

Vielleicht befindest du dich in einer schwierigen geschäftlichen Situation. Du wünschst dir, dass das Geld endlich wieder besser fließt, da du den aktuellen Zustand als unerträglich empfindest.

Du beginnst also mit:

„Ich nehme nicht wahr, was in dieser schwierigen finanziellen Situation zu meinen Besten ist.“

Jetzt geht es um die Frage, welche Ziele du eigentlich verfolgst.

„In dieser schwierigen geschäftlichen Situation möchte ich gerne, dass … und dass … geschieht. (zum Beispiel mehr Aufträge zu haben).

Notiere so viele verschiedene Ergebnisse, wie dir einfallen. Auch, wenn diese auf den ersten Blick nicht zur besagten Situation direkt dazu zu gehören scheinen.

Mögliche Antworten könnten sein:

– das Geld endlich wieder fließt,

– dass ich mich wieder sicher fühlen kann,

– dass ich mir endlich ein großes Auto kaufen kann und damit auf meinen
   Erfolg auf
merksam mache,

– dass mein Mann mich endlich respektiert,

– dass ich mich nicht mehr als Versager fühlen muss,

– dass ich meinem Exfreund endlich mal zeigen kann, dass ich auch als
    Frau
etwas wert bin.

– dass ich meinen Eltern unter die Arme greifen kann,

– dass ich mich mehr für soziale Projekte engagieren kann,

– dass ich mal wieder Urlaub machen und mich dabei richtig erholen kann,

– dass ich mir selbst wieder in die Augen sehen kann,

– dass mich die anderen Menschen endlich respektieren,

– dass ich wieder mehr Zeit für mich habe.

Du siehst, hinter dem gewünschten, geschäftlichen Erfolg stecken noch eine ganze Menge anderer Ziele.

Und diese haben nicht unbedingt direkt etwas mit der Situation zu tun. Einige dieser Ziele stehen sogar im Widerspruch zueinander. Einerseits wünschst du dir mehr geschäftliche Aufträge, andererseits möchtest du endlich mal wieder Urlaub machen und über mehr Zeit für dich selbst verfügen.

Einerseits bist du davon überzeugt, dass du dein vermehrtes Einkommen dazu einsetzen möchtest, um mehr in soziale Projekte zu investieren. Andererseits verfolgst du aber auch klare Egoziele, wie zum Beispiel dem Exfreund zu zeigen, wer du wirklich bist.

Zum Schluss wiederholst du dann noch einmal die Aussage:

„Ich nehme nicht wahr, was für mich in dieser Situation zu meinen Besten ist.“

*

Bei dieser Lektion aus »Ein Kurs in Wundern« geht es also um das berühmte »Erkenne dich selbst«. Nicht immer eine der angenehmsten Erfahrungen…

Unser Ego/ Verstand gaukelt uns ununterbrochen vor, genau zu wissen, was für uns das Beste ist. Doch diese Übung aus »Ein Kurs in Wundern« zeigt dir schnell und einfach auf, dass es dich eigentlich ständig nur in die Irre führt. Unser Verstand ist immer vom Ego gesteuert. Und das Ego will nicht, dass es uns wirklich gut geht.

Der Verstand suggeriert uns, dass es uns nur dann wieder gut gehen kann, wenn der/ die Ex-Partner/in wieder zurückkommt. Doch wenn du wirklich einmal in dich hineinhorchst, hast du vielleicht schon lange erkannt, dass diese Beziehung dich noch nie wirklich glücklich gemacht hat.

2 Kommentare

  1. Jannu sagt

    Hallo Andreas,
    das aus deinem Text:
    „Wir reagieren nie auf das, was da draußen wirklich geschieht, sondern immer nur auf unsere Wahrnehmung dessen. Soll heißen: auf unsere persönliche Interpretation. Und die ist – laut »Ein Kurs in Wundern« – IMMER falsch“

    Wenn mein Freund mich eine Lügnerin nennt, was mich sehr entsetzte und fassungslos gemacht hat, und ich verzweifle daran, dass er völlig anders interpretiert als es IST, was kann ich  tun? Er kennt auch deine Worte der Irrwege und Falschinterpretationen und weiß, dass diese Interpretationen IMMER falsch sind,  tut mich jedoch trotzdem damit beschimpfen.
    Ich könnte ihn jetzt in seinem Glauben lassen, und ihm den Rücken zudrehen.  Denn TROTZ seines Wissens der Fehlinterpretationen glaubt er an seine Wahrheit.  Und  hält daran fest.
    Ich möchte dem keine Macht geben und kann mich demzufolge nur zurückziehen.
    Oder gibt es noch andere Wege?
    MfG
    I Z.

    • Andreas Frenzel sagt

      Liebe IZ.,

      das Wissen um die Dinge bedeutet nicht immer, dass man auch in der Lage ist, sie umzusetzen. Sicher ist dein Freund sehr bemüht, sonst würde er sich nicht mit der wirklich schwierigen Lektüre des Kurses beschäftigen.
      Doch gilt für dich nicht das gleiche Prinzip? Auch du reagierst – wie er – nur auf deine Interpretation seines Verhaltens/ seiner Aussagen. Du kannst nur bei dir selbst schauen und die Lektion bei dir anwenden. Alles, was wir da draußen sehen – also auch das Verhalten deines Freundes – reflektiert uns, was wir in uns tragen.
      Dein Rückzug, ist nichts anderes, als eine Antwort auf deine INTERPRETATION seines Verhaltens.
      Manchmal erleben wir Dinge und fühlen uns verletzt (eigene Interpretation), dann reagieren wir trotzig oder ziehen uns zurück. Das bedeutet, dass wir das, was wir zu sehen GLAUBEN, zur Wahrheit erheben.
      Erkenne, dass nichts von dem, was du in ihm zu sehen glaubst, der Wahrheit entspricht. Das ist nicht einfach. Wenn du es geschafft hast, wird sich die Frage nach dem richtigen Verhalten nicht mehr stellen.

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