Warum Du Dich nicht finden kannst, solange Du Dich definierst

Warum Du Dich nicht finden kannst, solange Du Dich definierst

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Du beschäftigst Dich vielleicht schon seit Jahren mit Spiritualität, Persönlichkeitsentwicklung und der Frage, wer Du eigentlich wirklich bist. Du hast Bücher gelesen, Seminare besucht, Meditationen ausprobiert und vielleicht auch verschiedene Methoden kennengelernt, mit denen Du Dich selbst besser verstehen möchtest. Vielleicht bist Du dabei auch irgendwann auf das Enneagramm gestoßen. Und genau dieses Thema möchte ich heute einmal aus einer etwas anderen Perspektive betrachten. Aus einer Perspektive, die möglicherweise einige Deiner bisherigen Vorstellungen infrage stellt. Denn vielleicht ist das, was Dir helfen soll, Dich selbst besser zu verstehen, gleichzeitig genau das, was Dich davon abhält, wirklich Frieden zu erfahren.

Das Enneagramm und die Suche nach dem eigenen Persönlichkeitstyp

Das Enneagramm ist eine Form der Persönlichkeitsbeschreibung. Seine Ursprünge werden häufig auf verschiedene geistige und psychologische Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts zurückgeführt und das System wurde im Laufe der Zeit von unterschiedlichen Autoren und Lehrern weiterentwickelt. Vereinfacht gesagt beantwortest Du bestimmte Fragen und ordnest Dich anschließend einem von neun Persönlichkeitstypen zu. Jeder dieser Typen wird mit bestimmten Eigenschaften, Stärken, Schwächen, Verhaltensmustern und inneren Motivationen verbunden.

Und wenn Du Dich intensiver damit beschäftigst, wird es schnell interessant. Vielleicht stellst Du fest: „Ah, ich bin Typ 5.“ Oder Typ 2, Typ 7 oder ein anderer Typ. Plötzlich scheinen bestimmte Verhaltensweisen erklärbar zu werden. Du erkennst Muster und findest vielleicht Antworten auf Fragen, die Du Dir schon lange gestellt hast. Du erfährst, warum Du in bestimmten Situationen so reagierst, wie Du reagierst. Du erkennst Deine Stärken. Du erkennst Deine Schwächen. Du entdeckst vielleicht sogar sogenannte Mischformen und kannst Dich immer tiefer in das System einarbeiten. Das alles kann ausgesprochen spannend sein.

Aber ich möchte Dir eine ganz andere Frage stellen: Warum machst Du das eigentlich? Warum möchtest Du so genau wissen, welcher Persönlichkeitstyp Du bist?

Was suchen wir eigentlich?

Wenn Du Dich mit solchen Systemen beschäftigst, dann geht es vermutlich nicht nur um reine Neugier. Die meisten Menschen beschäftigen sich mit Persönlichkeitsmodellen, weil sie etwas verändern möchten. Sie möchten sich selbst besser verstehen. Sie möchten wissen, warum bestimmte Dinge in ihrem Leben immer wieder passieren. Sie möchten bestimmte Verhaltensweisen verändern, alte Muster durchbrechen und vielleicht endlich mit sich selbst zufriedener sein.

Und damit kommen wir zu einer noch grundsätzlicheren Frage: Warum möchtest Du Dich verändern? Vielleicht lautet die Antwort: „Weil ich mit mir selbst nicht zufrieden bin.“ Oder: „Weil ich mit meinem Leben nicht zufrieden bin.“ Oder: „Weil ich immer wieder in dieselben Muster gerate.“ Vielleicht möchtest Du endlich aus bestimmten Beziehungen herauskommen. Vielleicht möchtest Du Deine Ängste überwinden. Vielleicht möchtest Du aufhören, Dich selbst zu sabotieren. Vielleicht möchtest Du einfach nur innerlich ruhiger werden.

Wenn wir all diese Wünsche auf einen gemeinsamen Nenner bringen, landen wir letztlich bei etwas sehr Einfachem: Wir suchen Frieden. Wir möchten endlich in Frieden sein. Wir möchten, dass es uns gut geht – unabhängig davon, was das Leben im Außen gerade für uns bereithält. Wir möchten aus den Mustern ausbrechen, in denen wir uns immer wieder verfangen. Und genau an diesem Punkt beginnt meine eigentliche Frage an Dich: Bringt Dich die immer genauere Beschreibung Deiner Persönlichkeit wirklich in diesen Frieden?

HOL DIR JETZT DIE KOSTENLOSEN LEHRBRIEFE:

Verstehen ist nicht dasselbe wie Frieden

Nehmen wir an, Du hast Dich intensiv mit dem Enneagramm beschäftigt und irgendwann verstanden: „Jetzt weiß ich, wie ich bin.“ Du kennst Deinen Persönlichkeitstyp. Du kennst Deine Stärken und Schwächen. Du weißt, warum Du in bestimmten Situationen so reagierst. Vielleicht kannst Du Dein Verhalten jetzt sogar besser nachvollziehen.

Und möglicherweise geht es Dir dadurch tatsächlich ein Stück besser. Vielleicht sagst Du: „Jetzt verstehe ich wenigstens, warum ich so bin. Ich bin nicht einfach ein schlechter oder schwieriger Mensch. Das gehört zu meinem Persönlichkeitstyp.“ Das kann kurzfristig durchaus entlastend sein. Aber ist das dasselbe wie tiefer innerer Frieden?

Ich glaube nicht. Es ist ein bisschen wie bei einer Medizin, die ein Symptom lindert. Du fühlst Dich besser, weil Du etwas verstanden hast. Aber das Verständnis selbst hat noch nicht unbedingt die Ursache dessen aufgelöst, was Dich leiden lässt. Denn solange Du weiterhin glaubst, Du seist dieser Persönlichkeitstyp, hast Du Deinem bisherigen Selbstbild lediglich ein weiteres Konzept hinzugefügt.

Früher hattest Du vielleicht die Vorstellung: „Ich bin eben so.“ Jetzt lautet die Vorstellung: „Ich bin so, weil ich Persönlichkeitstyp Nummer 5 bin.“ Das kann eine Erklärung liefern. Aber eine Erklärung ist noch keine Befreiung.

Das Problem beginnt dort, wo Du Dich mit dem Konzept identifizierst

Genau hier liegt meiner Ansicht nach eine der großen Fallen auf dem spirituellen Weg. Wir suchen nach uns selbst – und beginnen dabei, immer neue Vorstellungen darüber zu entwickeln, wer wir sind. Wir sagen: „Das ist meine Persönlichkeit. Das ist meine Kindheit. Das ist mein Bindungsmuster. Das ist mein Persönlichkeitstyp. Das ist mein Geburtshoroskop. Das ist mein Trauma. Das ist meine spirituelle Entwicklung. Das ist mein Bewusstseinszustand.“

Und irgendwann haben wir ein unglaublich komplexes Bild von uns selbst geschaffen. Wir wissen scheinbar immer genauer, wer wir sind. Aber vielleicht entfernen wir uns gerade dadurch immer weiter von dem, was wir wirklich sind.

Denn ein Konzept ist immer nur ein Konzept. Es beschreibt etwas. Es definiert etwas. Es grenzt etwas ab. Und genau dadurch entsteht Trennung. Wenn Du sagst „Das bin ich“, hast Du gleichzeitig festgelegt, was Du nicht bist. Du hast Deinem Verstand eine Definition gegeben, an der er sich orientieren kann. Doch das, was Du auf einer tieferen Ebene wirklich bist, lässt sich möglicherweise überhaupt nicht in eine solche Definition pressen.

Du bist nicht das Bild, das Du von Dir hast

Wenn wir uns auf eine tiefere spirituelle Ebene begeben, finden wir in vielen Weisheitstraditionen einen Gedanken, der immer wieder auftaucht: Der Mensch ist mehr als das Bild, das er von sich selbst entwickelt hat. Im christlichen Sprachgebrauch finden wir beispielsweise die Vorstellung, dass der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Auch „Ein Kurs in Wundern“ führt immer wieder zu der Frage zurück, was jenseits unserer Vorstellungen von uns selbst liegt.

Und jetzt wird es interessant. Denn was bedeutet eigentlich „Ebenbild“? Unser Verstand möchte sofort wieder ein Bild daraus machen. Wir möchten wissen: „Wie sieht dieses Ebenbild aus? Wie fühlt es sich an? Wie verhält sich ein erleuchteter Mensch? Was muss ich tun, um diesen Zustand zu erreichen?“ Und schon haben wir wieder ein Konzept geschaffen.

Wir haben uns eine Vorstellung davon gemacht, wie Erleuchtung aussehen soll. Vielleicht stellen wir uns einen Menschen vor, der immer glücklich ist, ständig lächelt, vollkommen gelassen ist und auf jede Situation mit Liebe reagiert. Aber auch das ist nur eine Vorstellung. Und genau darin liegt die Schwierigkeit: Der Verstand versucht permanent, das Unbeschreibliche zu beschreiben.

Der Verstand liebt Konzepte

Unser Verstand möchte Dinge verstehen und einordnen. Das ist zunächst einmal nichts Schlechtes. Unser Verstand erfüllt wichtige Funktionen. Er analysiert, vergleicht, bewertet und versucht, Zusammenhänge herzustellen. Aber wenn wir auf der Suche nach unserem wahren Selbst sind, kann genau diese Fähigkeit zu einem Hindernis werden.

Denn der Verstand möchte auch das höchste Selbst verstehen. Er möchte es beschreiben. Er möchte es definieren. Er möchte einen Weg dorthin entwickeln. Und dann entsteht ein scheinbar endloser Kreislauf: „Ich muss noch dieses Buch lesen. Ich muss noch diese Meditation lernen. Ich muss noch dieses Konzept verstehen. Ich muss noch dieses Trauma auflösen. Ich muss noch meine Persönlichkeit erkennen. Ich muss noch meine Energie verändern. Ich muss noch diese Technik beherrschen.“

Immer liegt das, was wir suchen, scheinbar ein kleines Stück vor uns. Und genau deshalb bleiben wir auf der Suche.

Vielleicht kennst Du dieses Gefühl. Du hast ein neues Buch entdeckt und denkst: „Das könnte es jetzt sein.“ Du lernst eine neue Meditation kennen: „Vielleicht bringt mich diese Methode endlich weiter.“ Du besuchst ein Seminar: „Vielleicht verstehe ich danach endlich, worum es wirklich geht.“ Und dann funktioniert es eine Weile. Du hast neue Erkenntnisse, Du fühlst Dich besser, Du hast interessante Erfahrungen. Doch irgendwann kommt der nächste Gedanke: „Da muss doch noch mehr sein.“ Und schon beginnt die nächste Suche.

Die Falle der spirituellen Suche

Das kann Jahre dauern. Manche Menschen sind zehn, zwanzig oder noch mehr Jahre auf einem spirituellen Weg und sammeln immer mehr Wissen über sich selbst. Aber irgendwann darf die Frage erlaubt sein: Wenn ich immer mehr weiß und trotzdem keinen tiefen Frieden gefunden habe – könnte es sein, dass Wissen allein nicht der Weg ist?

Vielleicht besteht die entscheidende Bewegung nicht darin, noch etwas über Dich herauszufinden. Vielleicht besteht sie darin, etwas loszulassen. Nicht noch ein Konzept. Nicht noch eine Erklärung. Nicht noch eine Methode. Sondern die Identifikation mit all diesen Dingen.

Wie wäre es, wenn Du Deine bisherigen Konzepte einfach einmal beiseitelegen würdest? Wenn Du Dein Geburtshoroskop nicht mehr als Definition Deiner Person betrachten würdest? Wenn Du Deinen Enneagramm-Typ nicht mehr als Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ verwenden würdest? Wenn Du Deine Vergangenheit nicht mehr als endgültige Erklärung Deiner Gegenwart betrachten würdest?

Du könntest all diese Dinge weiterhin wahrnehmen. Aber Du musst sie nicht zu Deiner Identität machen.

HOL DIR JETZT DIE KOSTENLOSEN LEHRBRIEFE:

Wahrnehmen, ohne daraus eine Identität zu machen

Das ist ein entscheidender Unterschied. Wenn Du bemerkst: „Da ist gerade Widerstand“, dann nimm den Widerstand wahr. Wenn Du bemerkst: „Da ist gerade Angst“, dann nimm die Angst wahr. Wenn Du bemerkst: „Da ist gerade der Gedanke, dass ich ein bestimmter Persönlichkeitstyp bin“, dann nimm auch diesen Gedanken wahr.

Aber Du musst ihm nicht glauben. Du musst ihn nicht bekämpfen. Du musst ihn nicht analysieren. Und vor allem musst Du ihn nicht zu Dir machen. Du kannst einfach feststellen: „Da ist ein Gedanke.“ Mehr nicht.

Genau hier berührt sich diese Sichtweise mit dem Verständnis von Vergebung, wie es in „Ein Kurs in Wundern“ beschrieben wird. Vergebung bedeutet nicht, dass Du etwas bekämpfst oder gewaltsam aus Deinem Bewusstsein entfernst. Sie besteht vielmehr darin, wahrzunehmen, was Du gerade siehst, ohne es weiterhin als die letzte Wahrheit über Dich zu akzeptieren. Du schaust hin. Du erkennst es. Und Du schaust darüber hinweg.

Deine Vergangenheit erklärt Dich vielleicht – aber sie definiert Dich nicht

Vielleicht hast Du eine schwierige Kindheit erlebt. Vielleicht haben Deine Eltern Dir bestimmte Dinge über Dich erzählt. Vielleicht hieß es: „Das kannst Du sowieso nicht.“ Oder: „Du bist eben schüchtern.“ Oder: „Du bist besonders gut darin.“ Vielleicht hast Du irgendwann angefangen, diese Aussagen zu glauben.

Und daraus entstand langsam eine Geschichte über Dich. Du hast gelernt: „So bin ich.“ Aus einzelnen Erfahrungen wurden Muster. Aus Mustern wurden Überzeugungen. Aus Überzeugungen wurde eine Identität. Und irgendwann erscheint Dir diese Identität wie eine objektive Tatsache.

Aber vielleicht ist sie nur eine Geschichte, die Du über Dich selbst gelernt hast.

Das bedeutet nicht, dass Deine Vergangenheit nicht stattgefunden hätte. Es bedeutet auch nicht, dass Erfahrungen keine Auswirkungen haben. Es bedeutet lediglich: Du bist nicht verpflichtet, Dich für den Rest Deines Lebens über Deine Vergangenheit zu definieren.

Du kannst sie betrachten. Du kannst aus ihr lernen. Du kannst wahrnehmen, welche Gedanken daraus entstanden sind. Aber Du musst sie nicht weiterhin als Deine Identität festhalten.

Dasselbe kann übrigens geschehen, wenn wir uns intensiv mit Psychologie beschäftigen. Wir entdecken vielleicht irgendwann: „Jetzt weiß ich, warum ich so bin.“ Wir finden einen Begriff für unser Verhalten. Wir erkennen Zusammenhänge mit unserer Kindheit. Und das kann zweifellos wertvoll sein. Aber auch hier besteht die Gefahr, dass aus einer Erklärung eine neue Identität wird.

Dann lautet die Geschichte nicht mehr: „Ich weiß nicht, warum ich so bin.“ Sondern: „Jetzt weiß ich ganz genau, warum ich so bin.“ Und damit kann zwar ein Stück Verständnis entstehen, aber nicht unbedingt tiefer Frieden. Denn solange Du Dich über eine Geschichte definierst, bleibst Du an diese Geschichte gebunden.

Frieden beginnt dort, wo die Suche endet

Vielleicht ist das die radikalste Idee in diesem gesamten Zusammenhang: Was wäre, wenn Du gar nicht erst jemand anderes werden musst? Was wäre, wenn Du nicht erst ein besserer Persönlichkeitstyp werden musst? Was wäre, wenn Du nicht erst Deine gesamte Vergangenheit analysieren musst? Was wäre, wenn Du nicht erst jahrelang meditieren musst? Was wäre, wenn Du nicht erst alle spirituellen Bücher lesen musst?

Was wäre, wenn das, was Du suchst, nicht irgendwo am Ende eines langen Entwicklungsweges auf Dich wartet?

Dann würde sich die gesamte Suche verändern. Denn wenn Du bereits das bist, wonach Du suchst, dann kann Dich kein weiteres Konzept dorthin bringen. Im Gegenteil: Jedes neue Konzept kann Dich erneut dazu verleiten zu glauben, dass Du noch nicht angekommen bist.

Und jetzt kommt der Widerstand

Wenn Du das gerade liest und innerlich denkst: „Das kann doch nicht so einfach sein“, dann ist das vollkommen in Ordnung. Vielleicht spürst Du sogar Widerstand. Vielleicht sagt ein Teil von Dir: „Aber ich muss mich doch weiterentwickeln. Ich muss doch meine Themen bearbeiten. Ich muss doch verstehen, warum ich so bin. Ich kann doch nicht einfach alles loslassen.“

Schau auch diesen Widerstand an. Du musst ihn nicht beseitigen. Du musst ihn nicht analysieren. Nimm ihn einfach wahr.

Denn genau hier kannst Du etwas sehr Wichtiges beobachten: Unser kleines Ich möchte sich festhalten. Es möchte etwas haben, woran es sich orientieren kann. Eine Geschichte. Eine Erklärung. Eine Identität. Einen Weg. Eine Methode. Ein Ziel.

Und solange es glaubt, dass es all das braucht, bleibt die Suche bestehen.

Die nächste Methode wartet bereits

Wenn Du diesen Mechanismus einmal erkennst, kannst Du beobachten, wie perfekt er funktioniert. Du liest ein Buch. Du machst eine Meditation. Du besuchst ein Seminar. Du hast eine Erkenntnis. Dann kommt die nächste Methode. Die nächste Technik. Das nächste Konzept. Das nächste Buch.

Und irgendwann stellst Du fest: „Das war alles unglaublich interessant. Aber jetzt gibt es schon wieder etwas Neues.“

So kann die spirituelle Suche zu einem endlosen Kreislauf werden. Nicht, weil die einzelnen Methoden grundsätzlich schlecht wären. Sondern weil wir glauben, dass die nächste Methode uns endlich zu dem machen wird, was wir bereits sind.

HOL DIR JETZT DIE KOSTENLOSEN LEHRBRIEFE:

Einfach wahrnehmen, was ist

Vielleicht liegt die Lösung deshalb an einer ganz anderen Stelle: nicht im nächsten Konzept, sondern in der Fähigkeit, wahrzunehmen, was gerade ist, ohne daraus sofort eine Geschichte über Dich zu machen.

Du bemerkst einen Gedanken. Du bemerkst ein Gefühl. Du bemerkst eine Reaktion. Du bemerkst ein altes Muster. Du bemerkst den Wunsch, Dich zu analysieren. Du bemerkst den Wunsch, endlich eine Antwort zu bekommen.

Und dann lässt Du es einfach da sein.

Du musst daraus keine Identität machen. Du musst nichts hinzufügen. Du musst nichts werden. Du musst lediglich erkennen, dass das, was gerade in Deinem Bewusstsein auftaucht, nicht automatisch die Wahrheit darüber ist, wer Du bist.

Reiner Frieden braucht kein Konzept

Wenn wir von tiefem innerem Frieden sprechen, dann sprechen wir letztlich von einem Zustand, der sich nicht vollständig in Worte fassen lässt. Stille. Weite. Grenzenlosigkeit. Reines Sein.

Das Problem beginnt genau in dem Moment, in dem wir daraus wieder ein Konzept machen: „Ah, jetzt habe ich verstanden, was reines Sein ist.“ Und schon sind wir wieder im Denken. „Ich muss diesen Zustand erreichen.“ Wieder ein Konzept. „Ich bin jetzt schon viel weiter als früher.“ Wieder ein Konzept. „Ich bin jetzt erleuchtet.“ Wieder ein Konzept.

Der Verstand versucht permanent, das Unbeschreibliche zu beschreiben. Aber vielleicht ist genau das nicht notwendig. Vielleicht muss das, was Du wirklich bist, nicht verstanden werden. Vielleicht muss es einfach erfahren werden.

Du musst Dich nicht finden – Du musst aufhören, Dich zu definieren

Das klingt zunächst paradox. Aber vielleicht besteht der Weg zu Dir selbst nicht darin, immer mehr über Dich herauszufinden. Vielleicht besteht er darin, immer weniger festzulegen, wer Du sein musst.

Du bist nicht Dein Enneagramm-Typ. Du bist nicht Deine Kindheit. Du bist nicht Deine Beziehungsgeschichte. Du bist nicht Deine Erfolge. Du bist nicht Deine Fehler. Du bist nicht die Summe Deiner Eigenschaften. Und Du bist auch nicht das Bild, das Du Dir irgendwann einmal von Dir selbst gemacht hast.

All das kannst Du wahrnehmen. Aber Du musst Dich nicht darin festhalten. Und vielleicht beginnt genau dort eine ganz andere Form von Freiheit. Nicht die Freiheit, endlich die perfekte Version Deiner Persönlichkeit zu werden. Sondern die Freiheit, nicht länger eine bestimmte Version von Dir selbst sein zu müssen.

Wahrer Frieden beginnt dort, wo Du bereit bist, Deine Konzepte loszulassen. Nicht indem Du gegen sie kämpfst. Nicht indem Du sie analysierst. Sondern indem Du erkennst: Es sind Konzepte. Mehr nicht.

Und wenn Du sie nicht mehr für die Wahrheit über Dich hältst, verlieren sie langsam ihre Macht. Vielleicht musst Du dann gar nicht mehr so viel suchen. Vielleicht musst Du gar nicht mehr so viel werden. Vielleicht darfst Du einfach einmal hier sein. Genau jetzt. Ohne Geschichte. Ohne Definition. Ohne Konzept.

Einfach wahrnehmen, was ist.

Und vielleicht entdeckst Du dabei etwas sehr Überraschendes: Das, wonach Du so lange gesucht hast, war die ganze Zeit schon da.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Meinen Namen, E-mail und Webseite in diesem Browser speichern, bis ich wieder kommentiere.

Bild von Andreas Frenzel

Andreas Frenzel

Andreas Frenzel – Spirituelle Begleitung aus Hamburg. Online & persönlich. Dein Weg zu innerem Frieden beginnt hier.

Verpasse keinen Artikel und erhalte bevorzugten Zugang zu Insiderinformationen, zum Thema
„Ein befreites Leben führen“